Momentan ist es um Isco nicht sonderlich gut bestellt. Er nimmt aktuell nur eine Reservistenrolle ein und muss sich harsche Kritik sowie Spekulationen um sein Gewicht gefallen lassen. Dazu kommt, dass man mit 26 Jahren eigentlich den Status als Talent schon längst abgelegt hat. Entweder man ist im Mittelmaß gelandet, oder aber man spielt in der Riege der besten Fußballer ganz oben mit. Doch wo genau ist Isco einzuordnen?

Isco fällt dem System zum Opfer

Seit seiner Ankunft in Madrid werden in ihm sehr hohe Erwartungen gesetzt. Seine enge Ballführung, die jugendliche Spritzigkeit und vielleicht auch das 30-Millionen-Euro Preisschild erzeugten enormen Druck bereits in jungen Jahren seiner Karriere. Dennoch avancierte er mit der Zeit zum Rotationsspieler. Und gerade unter Zinedine Zidane wurde er letztlich zum Opfer des 4-3-3 Systems der Königlichen. Gerade von 2014-2017 spiegelte sich dies auch negativ in der Minutenausbeute des Spaniers wider.

Spielzeit Minuten Partien
2013/14 3166 53
2014/15 3762 53
2015/16 2627 43
2016/17 2338 42
2017/18 2957 49

In der Offensive waren seiner Zeit BBC indiskutabel gesetzt und auch im Mittelfeld gab es kein Vorbeikommen an Luka Modric, Toni Kroos und Casemiro. Gerade letzterer fungierte unter Zizou als rigoroser Abräumer. Er nahm also eine Rolle ein, der Isco unter keinen Umständen gerecht werden könnte. Toni Kroos und Luka Modric dagegen bildeten eines der besten Mittelfeldgespanne des 21. Jahrhunderts. Seit jeher versprühen sie an guten Tagen eine unerreichte Eleganz gepaart mit unnachahmlicher Leichtigkeit. Gerade im Finden des richtigen Momentes um sich vom Ball zu trennen kann Isco weder dem Kroaten noch dem Deutschen das Wasser reichen.

Lopetegui als Iscos große Chance

Unter Julen Lopetegui erweckte es den Anschein, als würde sich das Blatt für Isco wenden. Der spanische Nationaltrainer hält bekanntermaßen große Stücke auf den Spanier und versuchte ihn unter allen Umständen im Kader zu etablieren. Da das Mittelfeld unverändert geblieben ist und mit Dani Ceballos einen bockstarken und spielfreudigen Akteur dazu gewonnen hat, versuchte Julen Lopetegui Isco zum Flügelspieler umzuformen.

Denn mit Ronaldos Weggang ist eine Position am Flügel vakant geworden und auf Vinicius schien Lopetegui keine sonderlich großen Stücke zu halten. Jedoch kann Isco auf dem Flügel seine Stärken nicht wirklich ausspielen. Steilpässe in die Spitze und schnelle Kurzpässe im Mittelfeld. Das zeichnet ihn aus, nicht das Tempospiel auf dem Flügel und das Flankenschlagen. Dafür gibt es Spielertypen wie Lucas Vazquez.

Solari als Gamechanger für Isco?

Mittlerweile ist Isco 26 Jahre alt und geht in seine sechste Saison bei den Blancos. Die Zeiten in denen man den Publikumsliebling als Talent bezeichnen konnte sind unlängst vorbei und der Mittelfeldmann ist im besten Fußballeralter. Doch gerade diese Saison, in der Isco sich beweisen wollte, droht ihm das Genick zu brechen – zumindest was sein Engagement bei den Königlichen betrifft. Denn wie auch unter Zidane, ist für Isco auch unter Solari eigentlich kein Platz im 4-3-3.

Denn der Argentinier setzt auf eine ähnliche Taktik wie Zinedine Zidane. Er baut auf eine Mauer im defensiven Mittelfeld in Form von Casemiro. Zudem ist Dani Ceballos allzeit bereit und besticht mit Spielfreude und blitzsauberen Einsätzen. Wenn Toni Kroos oder Luka Modric rotieren, dann ist der junge Mann aus Sevilla zur Stelle und zahlt das in ihn gesetzte Vertrauen durch gute Leistungen zurück.

Die Blinddarm-OP als persönliches Waterloo

Ende September musste Isco auch noch am Blinddarm notoperiert werden. An sich ist das ein relativ unkomplizierter Eingriff, obwohl sich dadurch die Lage Iscos stark verkomplizierte. Ohnehin ist Isco, wie der Rest des Teams, eher behäbig in die Saison gestartet. Durch die Operation verpasste Isco aber folglich vier Spiele der Blancos.

Isco konnte so auch für gut zwei Wochen nicht trainieren und musste sich ausruhen. Eine solche Pause ist für einen Sportler natürlich eine Hiobsbotschaft. Denn wer nicht trainieren kann, der kann auch nicht in Form bleiben. Und wer sich nicht verbessern kann, der kann dem Trainer nicht beweisen, dass er sich einen Stammplatz verdient hat.

Es spiegeln sich dieser Tage eindeutig die Trainingsrückstände bei Isco in seinen Leistungen wider. Nicht zuletzt ein Grund dafür, dass Isco im Champions League Spiel gegen die Roma nur auf der Tribüne Platz nehmen durfte.

Iscos Gewicht als doppelter Problemfaktor

In der Presse kursierten in Folge an die gelungene Operation Gerüchte, dass Isco Gewicht zugelegt habe und sich im Training hängen lasse. Das sind Gerüchte, die keinem Fußballer gut tun. Und offensichtlich fühlte sich der Spanier dadurch angegriffen. Andernfalls hätte er auf Instagram keine Umfrage darüber gestartet, ob er zu dick sei. Und die Psyche eines Spielers spielt im Sport eine wichtige Rolle. Ein Spieler ohne freien Kopf kann nicht unbeschwert aufspielen.

Doch sollten die Gerüchte stimmen, dann wäre das ein weiterer Rückschlag für den Spanier. Denn durch die mögliche Gewichtszunahme würde sich der Verlust seiner Spritzigkeit erklären – also der Verlust eines seiner Markenzeichen. Außerdem wäre Isco nicht der erste Spieler der Geschichte, der sich durch ein paar überflüssige Pfunde selbst Steine in den Weg legt.

Isco am Scheideweg – bleibt er ein ewiges Talent?

Unter anderem seine vier gewonnen Champions League Titel lassen den Anschein erwecken, als wäre die Karriere des Isco optimal verlaufen. Jedoch kann der Spanier mit der abnehmenden Minutenzahl nicht zufrieden sein. Fast die gesamte Saison schon verpasst er die Chance, die Formschwäche seiner Mittelfeldkollegen auszunutzen. Im Gegenteil, er selbst zeigte sich in den wenigen Minuten, die er bekommt, ideenlos und oftmals zu ballverliebt.

Es wird höchste Zeit gute Leistungen konstant auf den Rasen zu bringen. Natürlich ist seine Lage gerade nicht optimal, dennoch heißt es eigentlich: Mund abwischen, weitermachen. Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt der Welt zu beweisen was in ihm steckt: ein ballsicherer, technisch versierter und hervorragender Mittelfeldspieler.

Mit einem möglichen Abgang von Luka Modric würde nach Cristiano Ronaldo der nächste Leistungsträger von dannen ziehen. Damit würde eine Position freiwerden, auf die Isco schon seit einiger Zeit schielen dürfte. Nun liegt es an ihm noch härter zu trainieren, den Kopf frei zu bekommen und um jede Minute im Mittelfeld zu kämpfen. Ansonsten ist für Isco nicht nur im Mittelfeld der Blancos kein Platz, sondern auch im Orchester der ganz großen Spieler. Und es wäre ein herber Verlust für die Fußballwelt, wenn ein Spieler wie Isco nur ein ewiges Talent bleiben würde…

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