Die Copa ist seit dem blamablen Ausscheiden gegen Leganés einmal mehr für die Blancos Geschichte. In der Liga liegt man fast 20 Punkte hinter Barcelona zurück und rangiert auf Platz 4, um den Einzug in die nächste Ausgabe der Champions League. Nicht wenige Beobachter könnten diesem historischen Team aus 2017 einen freien Fall attestieren – und das gar nicht mal zu Unrecht. Retrospektiv lässt sich dieses Verhalten vielleicht schon auf den abgelaufenen Sommer zurückführen, als Zidane seine größte Stärke zerstörte…

Real Madrid verlor Qualität in der Breite

Mit den Abgängen von Pepe, James Rodriguez, Fabio Coentrao, Danilo und Álvaro Morata hat das Team Qualität und Erfahrung verloren. Auch wenn Pepe schon den Zenit überschritten hatte, war er verlässlich und spielte einen soliden Schuh herunter. Besonders in der Kabine wird der mentale Einfluss der Nummer 3 sicher auch eine Lücke hinterlassen haben. Jesus Vallejo sollte diese füllen, ist aber leider bislang viel zu verletzungsanfällig, um einen dauerhaften Stand in Madrid zu erhalten.

Bei James Rodriguez scheiden sich bis heute die Geister. So richtig mithelfen konnte der Kolumbianer im Kader nicht. Zu oft wurde er ausgewechselt nach schwächeren Leistungen. Dabei war die Nummer 10 auch kaum so eingesetzt worden, wie er es vielleicht gebraucht hätte. Besonders seine Torgefahr und individuelle Qualität von der Bank weg vermisst das Team aktuell aber trotzdem. Gerade wenn man mit Lucas Vázquez mittlerweile einen eindimensionaleren Spieler als Ersatzmann für Gareth Bale hat, der auf keinen Fall individuell oder in puncto Torgefahr mit James mithalten kann.

Coentrao wird nicht vermisst – Theo ist aber keine Stärkung

Während alle Madrilenen sich einig sein werden, dass Coentrao absolut kein schmerzlicher Verlust war, so hatte der Portugiese zumindest einen Stand in der Kabine und war erfahren. In seinen besten Zeiten war er ein Herausforderer für Marcelo. Theo Hernandez hat seit seiner Ankunft kaum einen Fuß vor den anderen gebracht und kann nicht mit starken Leistungen glänzen.

Viel zu hölzern und eindimensional wirkt sein Spiel. Viel zu unerfahren und überhastet viele seiner Aktionen. Ob es Flanken in leere Räume oder Sprints in Massen von Gegnern sind, Theo konnte bislang nicht ansatzweise eine Konkurrenz für einen Marcelo, der seine Form sucht, darstellen. Ein notwendiger Upgrade von Coentrao verlagerte somit das Problem nur von einem Namen auf einen anderen.

Selbst Danilo ein effizienterer Linksverteidiger

Der Brasilianer folgte ebenfalls den Ruf eines anderen Vereins und musste nach einigen Anti-Kampagnen und Pfiffen von Fans den Verein verlassen. Seine Leistungen waren absolut nicht überragend. Angesichts der teils sehr unerfahrenen Auftritte von Achraf Hakimi fragt man sich aber, ob dieser Downgrade zu einem Castilla Spieler nicht ein zu großes Risiko darstellte. Aus Hakimi kann zweifellos noch ein starker Spieler werden, für die sehr anstrengende Saison der Blancos mit fast 60 Pflichtspielen geriet neben all den Veränderungen aber auch der junge Marokkaner zu schnell in einer Situation der vollen Verantwortung. Ob Danilo als Linksverteidiger nicht vielleicht sogar trotzdem eine bessere Figur als Theo machte, ist ebenfalls ein beliebter Streitpunkt unter den Fans.

Álvaro Morata konnte überhaupt nicht ersetzt werden

Bedenkt man eines der Hauptprobleme des aktuellen Kaders, wird auch schnell klar, wer der schmerzhafteste Abgang des Sommers war. Mit Morata verließ den Kader ein hungriger junger Spieler, der pressen konnte und Tore erzielte. Der Mann, den man just absolut nicht vom Feld nehmen wollte – Karim Benzema – konnte dieses Jahr überhaupt nicht zur Form finden und bringt so Madrid in die Bredouille. Der Abgang an sich, war absehbar und aus der chancenlosen Sicht von Morata nachvollziehbar. Wieso man seine fast 80 Mio. Euro Ablösesumme nicht in einen anderen Angreifer investierte, bleibt ein großes Rätsel an der Concha Espina.

Borja Mayoral konnte überhaupt nicht die Spritzigkeit oder Dynamik eines Moratas ersetzen und kann auch mit Toren nicht auf sich aufmerksam machen. Zu oft vergab er gute Chancen an der Front oder wird schlicht von seinen Kollegen links liegen gelassen. Der Ersatzmann aus den eigenen Reihen – somit nicht vorhanden.

Ein weiterer Abgang, der nicht kompensiert werden konnte.

Zidane verkauft seine B-Elf und seine größte Stärke

Besonders die B-Elf gewann im letzten Jahr La Liga und konnte der A-Elf enorm viel Druck von den Schultern nehmen. Casilla, Nacho, Pepe, Danilo, Coentrao, Kovacic, Isco, James, Vazquez, Asensio, Morata. Dies Namen lesen sich völlig anders, als jene Elf, die auch zuletzt gegen Leganés aus der Copa ausschied oder oftmals für die A-Elf rotiert wurde. Die größte (einzige?) Stärke von Zidane war eine starke Rotationspolitik, die auch tatsächlich aufging und die A-Elf während Verletzungen und schwäche Phasen entlastete.

Zusätzlich gab es einen echten Konkurrenzkampf auf verschiedenen Positionen.

Danilo vs. Carvajal
Varane vs. Pepe
Kovacic vs. Casemiro
Bale vs. Isco vs. James
Benzema vs. Morata

Die jungen Spieler, die nach kamen, in allen Ehren, doch der A-Elf wird klar sein, dass Spieler wie Vallejo, Hakimi, Theo, Llorente, Vazquez oder Mayoral nicht mitreden werden. Eine Tatsache, die nicht nur beim Einsatz der B-Elf eine Auswirkung hat, sondern auch beim Einsatz der A-Elf eine zu sichere Einstellung kreieren kann.

Es ist auch die Sturheit des Trainers, der trotz dieser auch von ihm herbeigeführten Kader-Situation an einer rigorosen Rotationspolitik festhält, während die Liga bereits verloren scheint und die Copa der letzte nationale Titel war. Wieso angesichts dieser Situation Leganés in einem Halbfinale so unterschätzt wird, bleibt ein weiteres Rätsel an der Concha Espina. Am Ende des Tage ist ein breiter und qualitativer Kader die Basis für den Erfolg einer Mannschaft. War der Sommer der Madrilenen ein wichtiger Knackpunkt oder hat man als Verein alles richtig gemacht?

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