Immer wieder ist Real Madrid in Phasen einer Krise. Mit der Ankunft von Zinedine Zidane sollte sich eine Ära prägen. Die Titel flutschten im Jahr 2017 aus der Vitrine wie noch nie zuvor in der Geschichte von Real Madrid. Und dennoch muss man sich bei diesem Team die Frage stellen – was läuft schief?

Real Madrid kämpft um seine Identität

Alle Elemente, die Zidanes Team ausmachten scheinen Ende 2017 einfach in Vergessenheit geraten zu sein. Unter Zizou waren Flanken ein Mittel, das zu Toren führte. Genauso wie die fast schon berüchtigten Standards und Last-Minute-Treffer. Alle Faktoren scheinen das Team nicht mehr mit dem Nachdruck zu verfolgen. Dabei fiel besonders auch schon im historischen Jahr der Blancos eines besonders auf.

Zidane scheint Entscheidungsanweisungen zu geben

Was sind Entscheidungsanweisungen?

Alle Spieler auf dem Feld bekommen in der Regel über eine lange Zeit vom Trainerteam eingeimpft, wie sie sich in den verschiedenen Situationen und Zonen am Rasen zu verhalten haben. Damit diese Abläufe in Automatismen übergehen können müssen diese oft wiederholt und mit allen anderen Spielern am Platz abgestimmt werden.

Ein gutes Beispiel ist dabei die Rolle von Marcelo. Der Brasilianer kann die Entscheidungsanweisung erhalten sich nahezu immer für eine Flanke zu entscheiden. Mit hoher Statistik an Flanken in den 16er findet auch mal eine den Abnehmer und vielleicht danach das Tor.

Gerade Spieler mit geringer Kreativität oder Problemen in der eigenen Entscheidungsfindung profitieren von solchen Anweisungen. Allen anderen wiederum bürgt diese Anweisung eine große Last auf die Schultern und schnürt sie ein.

Was sind Optionsanweisungen?

Dem gegenüber kann ein Trainer sich auch darauf konzentrieren seinen Spielern einzutrichtern wie sie sich bewegen sollen. Während Entscheidungsanweisungen eben jene Entscheidungen definieren soll, sind Optionsweisungen eine Vorlage für einen Spieler wie er sich zu bewegen hat, wenn gewisse Ereignisse am Feld stattfinden.

Das Ziel dieser Bewegungsmuster ist es für den Ballführenden Optionen zu erschaffen. Ein gutes Beispiel ist die Bewegung beim Flügelspiel. Ein Außenverteidiger kann eine Anweisung erhalten jederzeit zu Hinterlaufen, um diese Option zu kreieren.

Genauso kann ein zentraler Mittelfeldspieler am Strafraum lauern, um einen Ball in den Rückraum zu verwerten. Zwei Stürmer können sich abstimmen welchen Pfosten sie besetzen. Ein Innenverteidiger kann sich tief defensiv als Rückpass-Option anbieten. Der Trick ist dann allerdings, dass der ballführende Spieler die Freiheit benötigt die beste Option zu wählen.

Wichtig diese Anweisungen zu variieren

Dabei spielt besonders das Fingerspitzengefühl des Trainers eine wichtige Rolle. Niemand sollte die Spieler besser kennen als ihr Trainer. Hat ein Spieler Probleme selbstständig gute Entscheidungen zu treffen, kann man ihm diese Unsicherheit mit Entscheidungsanweisungen nehmen. Gebe ich einem kreativen Spieler zu viele Anweisungen, schnüre ich seine Kreativität ein. Genauso kann aber ein ballführender kreativer Spieler ohne Optionen um sich herum keine guten Entscheidungen treffen, da keine Optionen vorhanden sind. Es geht also weder ohne Anweisungen, noch ausschließlich mit ihnen.

Eine Kombination formt ein unberechenbares Team

In einem theoretischen Beispiel wird schnell klar, wie ein unberechenbares Team agiert. Stellen wir uns Isco am linken Flügel ballführend vor. Isco ist ein kreativer und intelligenter Spieler, der Freiheit benötigt, um sich zu entfalten. Er sollte daher keine harten Entscheidungsanweisungen wie, „Flanke sobald du in Strafraumnähe bist“, erhalten. Als kreativer Spieler benötigt er aber, um selbst eine gute Entscheidung treffen zu können viele Optionen. Eine Optionsanweisung an die umliegenden Spieler ohne Ball ist daher notwendig.

Marcelo kann per Anweisung hinterlaufen, um die Tiefe zur Grundlinie zu ermöglichen. Toni Kroos kann als linker ZM leicht aufrücken um eine Anspielstation zu ermöglichen. Genauso kann Ramos hinter ihm für einen Rückpass bereit stehen. Ronaldo als linker Stürmer könnte sich kurz für einen flachen Pass anbieten oder versuchen steil für einen Pass in die Tiefe zu gehen, während Bale am langen Pfosten auf einen hohen Ball wartet. Der gegenüberliegende Flügel muss ebenfalls für einen Seitenwechsel besetzt werden. Hier kann Carvajal aufrücken, wenn Casemiro zentral den beiden Außenverteidigern durch ein tiefes Fallen lassen den Rücken frei hält.

Real Madrid benötigt mehr Anweisungen – aber die richtigen

Natürlich liegt es immer im Auge des Betrachters, welche Anweisungen nun die „richtigen“ wären. Immerhin ist Fußball ein kreativer Teamsport, der auf unglaublich vielen Arten gespielt werden kann. Beobachtet man die Bewegungsmuster von Real Madrid so wirken viele Situation zufällig und mit sehr viel kreativem Freiraum auf Seiten der Spieler.

Um den kreativen Spielern mehr Optionen zu ermöglichen, braucht es allerdings Anweisungen für ein kreatives Spiel. Und genau diese richtige Form von Anweisung, scheint es in Madrid aber aktuell zu wenig zu geben. Auf der anderen Seite wirken Anweisungen wie die Flanken von Marcelo zu starr und verhindern eine kreative Entscheidungsfindung seitens des Spielers. Das Resultat ist ein oft wenig inspirierter Auftritt der Blancos, der mangels Optionen immer wieder auf individuelle Genie-streiche baut.

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