Die Idee hinter Ausstiegsklauseln ist, dass im Vertrag ein bestimmte Summe festgelegt wird. Durch eine Zahlung dieser Summe kann der Vertrag durch den Spieler aufgelöst werden. In der Theorie eine einfache Sache und doch gehen auch Transfers über die Ausstiegsklausel nur in den seltensten Fällen so unkompliziert über die Bühne.

Woran liegt das und warum scheinen vor allem Fußballer in Spanien immer Ausstiegsklauseln zu haben?

Jeder Arbeitnehmer in Spanien hat Ausstiegsklauseln

Am Ende des Tages sind auch Profi-Fußballer Arbeitnehmer, selbst wenn ihr Arbeitsalltag sich deutlich von der herkömmlichen 40-Stunden-Woche unterscheidet. Damit haben sie auf Grundlage des spanischen Arbeitsrechts von 1985 (Real Decreto 1006/1985) das Recht ihren Vertrag gegen die Zahlung einer vorher festgelegten Summe aufzulösen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, dass diese Summe im Nachhinein von einem Gericht festgelegt wird. Darauf verzichtet man in der Praxis im Fußballgeschäft jedoch komplett.

Stattdessen wird die Höhe der Klausel zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhandelt. Rechtlich gesehen sollte sie proportional zum Gehalt sein. Unverhältnismäßig hohe Klauseln sind für den Arbeitgeber ein großer Vorteil, da sie de facto den Sinn dieser Klausel umgehen, wenn niemand sie ziehen kann. Daher können sie theoretisch vom Arbeitnehmer vor Gericht angefochten werden. Im Fußball gab es jedoch bislang keinen solchen bekannten Fall.

Spanische Klubs müssen zwischen zukünftigem Marktwert und aktuellem Gehalt abwägen und verlieren ihren „Joker“

Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen müssen spanische Vereine also noch besser die zukünftige Entwicklung eines Spielers abschätzen. Wählt man eine zu niedrige Ausstiegsklausel, läuft man Gefahr, dass der Spieler den Verein bei guter Entwicklung unter Marktwert verlässt. Wählt man sie hingegen zu hoch, muss der Verein womöglich mehr Gehalt als nötig bezahlen. Bis 2016 hatte man jedoch aufgrund des spanischen Steuerrechts noch einen entscheidenden Vorteil auf seiner Seite.

Denn der Vertrag kann nur durch eine Zahlung des Spielers (oder seiner Vertreter) an den spanischen Fußballverband aufgelöst werden und nicht vom kaufenden Verein. Was wie eine formale Kleinigkeit klingt, brachte große Kosten mit sich. Denn dadurch musste der kaufende Verein die Summe zunächst an den Spieler überweisen, anstatt direkt an den abgebenden Verein. Dieses Geld wurde lange Zeit als Einkommen definiert und war damit regulär zu versteuern – bei Steuersätzen bis zu 55% ist die Ausstiegsklausel somit de facto deutlich höher als verhandelt.

Aufgrund dessen war es normal, dass man versuchte mit dem abgebenden Verein zu verhandeln, um somit noch etwas Geld zu sparen. Ein prominentes Beispiel dafür war der Wechsel von Thiago, dessen Ausstiegsklausel bei 18 Millionen Euro lag, für 20 Millionen Euro (plus weitere Bonuszahlungen) vom FC Barcelona zum FC Bayern.

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2016: Zahlungen zum Ziehen der Ausstiegsklausel sind kein Einkommen, sondern eine Vermögenszunahme

Diese Steuern sind seit 2016 allerdings Geschichte. Durch diese neue Definition dieser Zahlungen fallen keine Steuern mehr an. Der Spieler kann bei seiner Steuererklärung nämlich angeben, dass die Vermögenszunahme direkt wieder als Verlust – die Zahlung der Ausstiegsklausel an den Verband – deklarieren. Mit Einkommen ist dies nicht möglich, da dieses immer versteuert werden muss. Somit sind die Ausstiegsklauseln nun auch die tatsächlichen Ablösesummen. Ein Verein kann nun somit theoretisch einen Spieler die Ausstiegsklausel ziehen lassen ohne jemals mit dem abgebenden Verein zu sprechen und braucht keine zusätzlichen Kosten fürchten.

In der Regel versucht man dennoch zu verhandeln, da eine solche Aktion als „Bad Faith“ angesehen wird

Dennoch gehört es zum guten Ton, dass man weiterhin versucht zwischen den beiden Vereinen eine Einigung zu erzielen. Anstatt den „harten“ rechtlichen Weg über die Ausstiegsklausel zu gehen, will man in den meisten Fällen lieber die Beziehungen aufrecht erhalten. Jüngstes Beispiel aus Sicht von Real Madrid, war der Kauf von Theo Hernández. Ein besonders heikler Transfer, da der Linksverteidiger vom Stadtrivalen Atlético kam. Laut übereinstimmenden Medienberichten lag seine Klausel bei 24 Millionen Euro.

Nach der Einigung mit dem Spieler hätte man den Wechsel also schnell vollziehen können. Stattdessen dauerte es aber noch eine Weile bis der Transfer offiziell wurde und laut „AS“ zahlt man sogar bis zu 30 Millionen Euro Ablöse für Theo. Zu Zeiten der Steuerlast hätte der Verein damit noch Geld gespart, aber nach dem Kippen der Regelung scheint das ausschließlich eine Art „Friedensangebot“ für den Stadtrivalen gewesen zu sein.

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