Der Franzose muss sich dieser Tage wieder enorm viel Kritik anhören – zurecht. Die Nummer 9 der Blancos hat gegen Tottenham in der Champions League erneut kein Tor erzielt und dabei einige Großchancen liegen lassen. Der Frust bei den Fans steigt, die Torquote von Karim Benzema sinkt. Aber warum hat Benzema in den letzten Monaten immer wieder Probleme damit, einfache Chancen zu treffen? Was hat sich verändert und warum glänzt er irgendwie nie mit Qualitäten eines Stürmers?

Benzema – ein technischer Spieler mit Auge für den Kollegen

Immer wieder wird betont wie wichtig Benzema für seine Mitspieler ist. Ein uneigennütziger Stürmer ist in der Tat eine Seltenheit im Fußball und das hat seinen Grund. Der Hunger ein Tor zu schießen, ist eine der Grundvoraussetzungen für einen „Killer“ im Sturm. Gerade diese trockenen Spieler, die einfach abziehen, nicht nachdenken und instinktiv immer das Tor finden, werden in der Regel im 16er des Gegners aufgewartet, um Abstauber und „unmögliche Dinger“ zu netzen. Es ist der Torriecher, den so einen Spieler auszeichnet.

Benzema hat diesen Riecher nicht. Er ist kein Spieler, der unbedingt ein Tor erzielen muss, der frustriert wirkt, wenn er mal nicht trifft. Man könnte sagen, er ist das Spiegelbild von Cristiano Ronaldo, der diesen Hunger und Willen mit sich bringt – und das, obwohl er kein „nomineller Stürmer“ ist. Hier ist auch schon die Quintessenz des „Problems“ erkennbar, die auch gleichzeitig ein großer Vorteil im Weltfußball sein könnte. Benzema spielt mitspielend als Stürmer und Ronaldo spielt als Außenbahnspieler oder hängende Spitze in der Form eines Vollblutstürmers. Diese Synergie kann genutzt werden, kann aber auch genau für die Probleme sorgen, die wir aktuell sehen.

Ideale Laufwege ohne Ball

Sehen wir uns eine ältere Szene aus dem Spiel gegen Valencia diese Saison an, erkennen wir vor dem Tor von Asensio einen Weltklasse-Laufweg von Benzema. Er zieht die Gegenspieler mit nach Außen und öffnet Raum für Asensios „Cut-Inside“. Es ist jenes Spiel ohne Ball, das Karim Benzema auszeichnet. Nur sind die Räume für solche Laufwege mittlerweile im statischeren Spiel von Zidane viel zu selten da. Auch Tottenham mauerte nun beim 1:1 in der Champions League wieder sehr stark und isolierte jene Szenen.

Killerinstinkt beim Abschluss fehlt

Schon gegen Valencia war Benzema im Fokus was die Chancen angeht. In dieser Szene spielte Real Madrid einen Musterangriff zu Ende, der mit Carvajals Flanke auf Benzemas Stirn in den Lauf hätte abgeschlossen werden müssen. Benzema verfehlte. Es sind jene Szenen im 16er des Gegners, in denen Benzema nicht die Kaltschnäuzigkeit besitzt, diese klaren Chancen konstant zu treffen.

Auch in dieser Szene aus demselben Spiel, war der Laufweg von Benzema wieder ideal. Die flache Flanke kommt. Benzema vergibt aus 6 Metern. Als Stoßstürmer sind es jene Szenen, die man in den 90 Minuten verzweifelt sucht. Ein Kopfball unbedrängt, ein Querpass, den man aus 5 Metern einschieben kann oder einen Laufpass, den man im 1-gegen-1 abschließen kann. Alle diese Szenen, zeigen nicht die Stärken von Karim Benzema und lassen uns als Fans mit der Frage zurück, wieso steht immer dauerhaft er dort und nicht jemand wie Cristiano Ronaldo? Anm.: In diesem Spiel war Ronaldo gesperrt.

Benzema über die Außen und als hängende Spitze mit Synergien

Die ideale Symbiose zwischen Ronaldo und Benzema hat einen anderen Ursprung. In früheren Partien war es meist Benzema, der sich komplett aus dem Sechzehner verabschiedete. Er überließ diesen Raum seinem Weltfußballer, der diesen im Tempo nach dem Ausweichen von Benzema besetzte. Auf den Flügeln oder hängend als zweiter Stürmer war Benzema dann in seinem Element. Er kann den Querpass spielen, ist kreativ, sieht die Löcher, sucht den Mitspieler und er die Technik diese Bälle zu bespielen. Sein gesamter Mindset ist jener eines Vorlegers und nicht jener eines Vollstreckers. Ein Problem, für eine Nummer 9, die treffen soll.

Auch in dieser Szene wich Benzema auf den Flügel aus. Ronaldo, der den Hunger zum Tor hat, zieht sofort den Sprint in die Tiefe an und Benzema kann entweder ins Dribbling gehen oder den Portugiesen anspielen. Der Optionsreichtum in dieser Situation ist exakt das, was man gerne ha, wenn ein Spieler wie Benzema den Ball führt.

Die große Stärke von Benzema – wo ist sie geblieben?

Dass Benzema das Tor natürlich auch treffen kann, ist unbestritten. Es sind aber meist die Situationen eines zweiten Stürmers, die ihn so glänzen lassen. Wir erinnern uns vielleicht alle an das vielleicht schönste Tor der Kombination „BBC“ gegen Valencia im Januar 2016 unter Benitez. Benzema führt den Ball im 10er-Raum, nachdem er sich fallen ließ und spielt Bale auf der rechten Seite mit einem schnellen Kurzpass an. Der Waliser dreht sich und spielt zu Ronaldo mit der Ferse, dieser spielt einen No-Look-Ableger auf Benzema, der schlau in den Sechzehner durchlief. Klingt zu spektakulär? Seht selbst:

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Für Kurzpass- und Technikfetischisten ist es der Beweis, dass diese Art von Fußball in diesem Team steckt. Er wird nur zu wenig herausgekitzelt. Die Kritik an Benzema, der zu viele Großchancen vergibt, ist mehr als berechtigt. Ein Spieler seines Formates muss diese Chancen einfach treffen, egal in welcher Situation. Dass es aber Benzema ist, der so oft in diese Situationen gerät, hat System. Diese Systematik ist mittlerweile zu hinterfragen. Die Stärken von Benzema treten aktuell zu selten zum Vorschein, während seine größten Schwächen nahezu Woche für Woche vor einem Millionenpublikum ausgebreitet werden. Ist Benzema unter diesen Umständen für das Team überhaupt noch tragbar?

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