Statistik spielt eine immer größere Rolle im Fußball, ob man ein Fan ist oder nicht. Hinter den Kulissen arbeiten die Analyse-Abteilungen der Profi-Vereine immer daran einen Schritt vor ihren Kollegen zu sein. An die Öffentlichkeit dringt davon nicht all zu viel, sonst wäre es schließlich kein Vorteil mehr. Was uns Fans zur Verfügung steht, sind in der Regel nur Zählungen. Wie viele Schüsse, wie viele Pässe, wie viele Tacklings… In der Offensive kann man damit dennoch einiges anfangen, ganz anders als im Defensivbereich.

Für Tore braucht man Schüsse, aber was braucht man um Tore zu verhindern?

Sortiert man eine Ligatabelle nach Schüssen, bekommt man in der Regel eine relativ gute Annäherung an die echte Tabelle. Soll heißen: Die besseren Teams schießen mehr, erzielen folglich mehr Tore und holen mehr Punkte. Daran können wir dann alles ausrichten und zählen Dinge, die zu Schüssen führen: Keypässe, Ballkontakte im Strafraum und so weiter. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Deswegen gibt es auch noch Dinge wie Schusspositionen und daraus folgend die „Expected Goals“, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

„Schüsse verhindert“ kann man nicht zählen

Äquivalent dazu müsste man „Schüsse verhindert“ für Verteidiger als Grundlage nehmen. Und das ist das Problem. Es liegt in der Natur der Sache, dass das nicht gezählt werden kann. Man kann für die gesamte Mannschaft zählen, wie wenig Schüsse sie zulässt und welche Qualität diese Schüsse haben. Für den einzelnen Verteidiger geht das nicht.

Was sind also die Alternativen? Tacklings, abgefangene Bälle oder Klärungen. Sortiert man eine Ligatabelle nach diesen Werten, kriegt man in keinem Fall eine Korrelation wie bei den Schüssen. Es sind weder die besten Mannschaften, die die meisten Tacklings haben, noch sind es die schlechtesten Teams. Was dabei herauskommt ist ein buntes Durcheinander, das keine Rückschlüsse auf die Defensivqualität zulässt.

Die bekannten Defensiv-Stats deuten nur einen Stil an

Was bringen also die uns bekannten Defensiv-Stats? Komplett nutzlos sind sie natürlich nicht, aber ein Qualitätsurteil über eine Leistung kann man damit nicht fällen. Immerhin lässt sich aber der Stil eines Spielers erkennen. Casemiro ist wohl in 90 Prozent seiner Einsätze der Spieler mit den meisten Tacklings bei Real Madrid. Ob er nun eigentlich katastrophal oder bombastisch war, spielt in der Regel keine Rolle für diesen Wert.

Wir können aber sehr wohl daran ablesen, dass er ein Spieler ist, der den direkten Zweikampf sucht. Und wer den Brasilianer einmal spielen sieht weiß: Das stimmt, denn er liebt es sich mit seiner Physis in den Gegner zu werfen oder ihm geschickt den Ball vom Fuß zu spitzeln. Was ist nun die Lösung für dieses Problem? Kann man Defensivspieler einfach nicht mit Zahlen bewerten? Cristiano Ronaldo ist unter anderem auch ein Weltklasse-Spieler, weil er unglaublich viele Schüsse im Strafraum hat, aber warum ist es zum Beispiel ein Raphaël Varane?

Im Hintergrund arbeiten Analysten der Verein sicherlich an einer Lösung

„Geht nicht, gibt’s nicht“ lautet ein bekanntes Stichwort und das gilt besonders, wenn Millionen auf dem Spiel stehen. Die klugen Köpfe im Schatten der großen Vereine werden sicherlich etwas ausklügeln, wie sie es auch schon mit „Expected Goals“ taten. Wann wir Fans das in der Öffentlichkeit mitbekommen steht jedoch in den Sternen. Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als uns besonders bei Defensivspielern auf unser Auge zu verlassen. Im Endeffekt gar kein so großes Problem für uns, denn wir wollen die Spiele von Real Madrid schließlich auch gerne alle schauen.

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