Zugegeben, Real Madrids „Raute“ im Mittelfeld hat, wie jede Formation, seine Vor- und Nachteile. Die schwer zu besetzenden Flügel könnten genauso negativ angebracht werden, wie die Transformation in die Defensivstaffelung. Doch das soll uns nach dem gestrigen Sieg in Dortmund heute erstmal nicht beschäftigen. Dazu waren die Vorteile dieser Aufstellung gegen den BVB einfach zu eklatant. Der Schlüssel zum Sieg kann wohl stark an einem Begriff festgemacht werden: Pressingresistenz!

Mittelfeld-Quartett durchkreuzt Dortmunds Matchplan

Die Westfalen sind in der Bundesliga bekannt für ihr aggressives, meist gut organisiertes Pressing. Die dadurch entstehenden Umschaltmomente will man direkt nutzen und bespielen. Diesen mutigen Plan verfolgte der BVB auch zuhause gegen Real Madrid. Doch die Effekte verpufften, wie der gegnerische Trainer nach dem Spiel auch zugab:

„Wir haben in keinem Moment des Spiels richtig Druck auf den Ball bekommen. Bei dieser Qualität des Gegners wird es dann natürlich schwer. Wir kamen immer zu spät.“ – BVB – Trainer Peter Bosz

Die angesprochene Qualität war vor allem im Mittelfeld spürbar. Das aggressive Pressing der Gastgeber trug überhaupt keine Früchte. Umschaltmomente gab es nur wenige. Der Matchplan der Deutschen funktionierte nur sehr bedingt. Hauptverantwortlich dafür? Real Madrids Raute im Mittelfeld! Aus einem 4-3-1-2 heraus dominierte man das Zentrum nach Belieben.

Dabei spielte jeder seine Rolle. Kroos, Isco und Modric sind im Verbund wohl kaum zu überbieten, wenn es darum geht, sich auch Drucksituationen zu befreien. Kroos liest die Angriffe des Gegners perfekt und befreit sich meist mit einfachen Bewegungen oder klugen Pässen aus jeder noch so schwer wirkenden Situation. Isco und Modric können sich auf ihre unnachahmlichen Fähigkeiten im Dribbling und Kombinationsspiel auf engstem Raum verlassen.

Und auch Casemiro spielt eine entscheidende Rolle. Nicht nur, dass er sich mittlerweile im Aufbauspiel sehr gefestigt hat, er erlaubt seinen Vorderleuten auch meist exakt jenes Risiko einzugehen, das nötig ist, um sich aus solchen Situationen zu befreien. Bei Ballverlust im Mittelfeld ist er sofort zur Stelle und versucht den Umschaltmoment gar nicht erst zu einem werden zu lassen.

Der tiefe Ball als entscheidendes Mittel

Ohne die gewünschten Effekte im Pressing sah das Defensivverhalten der Dortmunder dann wohl schlechter aus, als es in Wirklichkeit war. Der defensive Fokus liegt auf Ballgewinne im Mittelfeld. Wenn dir diese nicht gelingen, dann wird es problematisch. Und genau das musste der BVB gestern zu spüren bekommen.

Einmal aus den Pressingsituationen befreit, gab es viel Raum hinter der Abwehr. Und auch hier zeigte sich das Mittelfeld-Quartett der Königlichen oft gnadenlos. Vor allem Gareth Bale, Cristiano Ronaldo und Dani Carvajal erkannten viele Situationen richtig und beliefen die Räume hinter der Abwehr. Und das Mittelfeld konnte diese dann auch meist sehr gut bespielen. Selbst Casemiro zeigte mit einem Traumpass auf Carvajal, dass er hierfür die Präzision im Fuß hat.

Der taktische Aufschrei des BVB nach aggressivem Pressing wurde somit von Real Madrids Ballsicherheit laut übertönt. An diesem Abend kann man eindeutig festhalten: Pressing gegen die Königlichen? Nicht mit diesem Mittelfeld!

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