Kritik an Sergio Ramos grenzt spätestens seit La Décima 2014 im königlichen Lager an Blasphemie. Seither hat der Kopf des königlichen Kapitäns auch noch etliche weitere Male einen entscheidenden Beitrag zur Erfolgsgeschichte der letzten Jahre geleistet. Trotzdem muss sich der Madridismo auch immer wieder die Frage stellen, was innerhalb dieser so wertvollen Waffe vor geht. Das Spiel gegen Deportivo La Coruña lieferte dafür das aktuellste Beispiel.

Ramos reißt die Schnur wegen „Fair Play“

Es lief die 53. Spielminute, als die Nummer 4 der Blancos wild fuchtelnd quer über den Platz lief und sich zuerst Mitspieler Luka Modric zur Brust nahm. Er verteilte einige wohl nicht so freundliche Worte Richtung Gegenspieler und es kam zu einer Rudelbildung, in welcher er sich nach einer zärtlichen „Kopfnuss“ zu einem Griff ins Gesicht von Fabian Schär hinreißen ließ. Eine Tätlichkeit, die wohl mit glatt rot hätte bestraft werden müssen. Ramos kam aber noch einmal mit einer gelben Karte davon.

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Situation?

Der Kapitän war nicht erfreut darüber, dass Modric den Ball ins Aus gespielt hatte, nachdem ein Gegenspieler am Boden lag. Ramos hatte dies zuvor bewusst ignoriert, da es in der ersten Halbzeit einen ähnlichen Vorfall mit Dani Carvajal gab, wo die Galizier weiter spielten und das Fair Play ignorierten. Bei der einen gelben Karte blieb es letztendlich aber nicht. Nach einer fragwürdigen zweiten gelben Karte wegen eines Ellbogen-Einsatzes durfte Ramos mit Gelb-Rot in der 92. Minute das Spielfeld kurz vor seinen Kollegen verlassen.

Er wird dadurch im Spiel gegen den FC Valencia fehlen und hat mit 18 Platzverweisen nun zusammen mit Pablo Alfaro und Xavi Aguado die meisten roten Karten in der Geschichte der Primera División gesehen.

Handlung nur schwer nachvollziehbar: Der Madridismo funktioniert eigentlich anders

Dass Sergio Ramos ein Hitzkopf ist, der sich schon mal zu einem ungestümen Zweikampf hinreißen lässt, ist bekannt. Der Vorfall gegen Depor wird aber wohl die meisten Fans und Anhänger des Madridismo mit einem Kopfschütteln zurück lassen. Real Madrid führte vollkommen souverän mit 2:0 und hatte das Spielgeschehen im Griff. Die Aktion erhitzte alle Gemüter und brachte unnötige Unruhe ins Spiel.

Das Ignorieren des verletzten Spielers erinnerte dabei noch an pubertären Trotz, der sich wild fuchtelnd hin zu einem Kindergarten entwickelte. So auch die Aussagen von Ramos zum Vorfall nach dem Spiel:

„Die zweite gelbe Karte ist rigoros, es besteht keine Absicht ihn zu verletzen. Bei der Aktion mit Fabian Schär hat er mir eine Kopfnuss verpasst, daher meine Reaktion. Wir haben den Ball nicht rausgeschlagen, weil es Deportivo La Coruña in der ersten Halbzeit ebenfalls nicht tat. Ich bin nicht einverstanden mit der zweiten Karte, ich habe mich nur gestützt, aber respektiere natürlich die Sichtweise des Schiedsrichters. Manchmal sollten wir uns ein Beispiel an den Engländern nehmen.“ Sergio Ramos

Natürlich muss betont werden, dass auch die Aktion des Gegners in Halbzeit eins weit entfernt von jenem Sportsgeist ist, den man sich auf dieser Ebene des Weltfußballs wünscht. Doch ist es ein zentraler Bestandteil des Madridismo, genau in solchen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren, über der Situation zu stehen und sportlich zu antworten. Gerade der Kapitän der Königlichen sollte diese Werte repräsentieren, wie kein anderer.

In fast allen Belangen macht die Sergio Ramos dies auch fantastisch. Seinem Team nützt er jedoch recht wenig, wenn er immer wieder frühzeitig vom Platz muss und gesperrt fehlt. Es ist die Kehrseite einer lebenden Legende, die den Spruch „die Stirn hin halten“ für das Team sehr wörtlich nimmt. Ob nun positiv oder negativ.

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La Duodecima SR4
Mitglied

Wird er uns gegen Valencia fehlen? JA!
Muss man so reagieren? NEIN?
Kann ich ihn verstehen? Aber sowas von absolut JA!

mtx
Redakteur

Ich kann ihn auch verstehen (und könnte jeden verstehen, der so handelt). Der Unterschied ist für mich, dass Ramos keine 20 mehr ist, sondern der Kapitän. Wenn Theo, Ceballos etc. oder von mir aus auch etwas erfahrenere wie Isco so reagieren, sage ich gut, sowas passiert und sie können daraus lernen.

La Duodecima SR4
Mitglied

Ja ich sehe das Problem, den jetzt haben wir sozusagen „den Salat“. Vallejo und Varan verletzt, Ramos gesperrt.
Ich weiss nicht wie ZiZu das lösen wird gegen Valencia (falls einer von den Beiden nicht fit wird)!
Käme Casemiro al IV in Frage? Das kommt mir als die beste Lösung vor. Dann kann halt Llorente (da Kovacic ja auch noch nicht mit der Mannschaft trainiert) als DM spielen.