Der große El Clásico des International Champions Cups geht mit 2:3 verloren und zeigt weiterhin Probleme bei den Blancos auf. So richtig in Fahrt kam man bei diesem Freundschaftsturnier in den USA nicht. Den Beginn der Partie haben die Blancos komplett verschlafen und direkt zwei Buden eingeschenkt bekommen. Wir beschäftigen uns hier aber weniger mit den individuellen Fehlern, als mit dem Gruppenauftreten der Mannschaft. Gegen Ende der Partie waren wieder viele Auswechselspieler auf dem Rasen, weshalb wir diese Phase des Spiels nicht direkt unter die Lupe nehmen.

Das 4-5-1 sollte Stabilität verleihen, ermutigte aber Barca

Zinedine Zidane ließ seine Spieler in einer sehr defensiven Staffelung auflaufen und wollte sichtlich erstmal ins Spiel finden. Das gelang überhaupt nicht, da die Katalanen direkt das Zepter in die Hand nahmen und mit über 85% Ballbesitz komplett dominierten. Die Madrilenen standen tief in der eigenen Hälfte, gingen nicht in die Zweikämpfe und waren die ersten Zuschauer für das Spiel der Katalanen. Die schoben sich den Ball unbedrängt zu, nutzen individuelle Fehler der Blancos und netzten gleich doppelt. Insgesamt war die Intensität ohne Ball nicht vorhanden und das Spiel wurde – vielleicht bewusst – als offensiver Schlagabtausch verstanden.

Barca zurück zu den Wurzeln mit Messi

Es war die größte Waffe unter Pep Guardiola. Leo Messi lässt sich fallen, unterstützt das magische Dreieck um Iniesta, Busquets und Xavi und spielt so den Gegnern Knoten in die Beine. Nicht ganz so übertrieben stark, aber dennoch effizient, gelang dies im Freunschafsspiel gegen die Blancos. War Messi unter Luis Enrique auch oft auf dem rechten Flügel zu sehen, war er hier nahezu 95% der Zeit im Zentrum vorzufinden. Dort ging er sehr tiefe Wege und spielte wie ein zentraler Mittelfeldspieler gegen das massive Zentrum der Blancos. Das erzeugte immer wieder eine spezielle Dynamik bei Barcelona.

Auch Neymar spielte enorm zentral und öffnete die Flügel

Wie wichtig das Duo Neymar-Messi für die Katalanen ist, war auch in diesem Spiel immer wieder zu erkennen. Die Mittelfeldreihe der Blancos rund um Kovacic, Casemiro und Modric, wurde von den Katalanen nicht umgangen, sondern durchspielt. Neymar zog weit nach innen, um gemeinsam mit Messi und Iniesta zu spielen. Das öffnete Räume für die Außenverteidiger, die viel Grün vor sich sahen – immerhin rückten die Blancos kompakt und eng ins Zentrum. Ohne den Komplettausfall von Sergio Ramos an diesem Tag, hätte er seine Rolle als letzter Mann in der Abwehrkette sicher gut nutzen können, um Läufe hinter die Abwehr zu stoppen.

Offensivspiel bei Madrid genau invers zu dem von Barca

In Madrid sah man im eigenen Aufbauspiel genau die Probleme, die man hat, wenn man nicht zwei spielstarke zentrale Techniker im Zentrum hat, wie die Gäste. Ohne General Toni Kroos, der das Spieltempo diktiert, versuchte sich Casemiro ein wenig im horizontalen Spielaufbau. In dieser Szene sieht man schön die Probleme, die seit längerer Zeit in Madrid existieren. Anstatt Lücken und fehlerhafte Abstände in der Staffelung von Barca zu nutzen, die hier nicht sehr kompakt stehen und im Zwischenlinienraum Platz lassen, spielt man u-förmig über die Außen (rote Pfeile).

Die großen taktischen Ausrichtungsprobleme mit Bale und Benzema ergeben sich in ihrem Spiel ohne Ball. Beide Spieler haben, wie mit „BBC“ üblich, einen starken Drang zum Tor und auf die Abwehrkette. Benzema hält hier die Spitze und versucht Kontrolle auf die Höhe der Abwehrkette zu nehmen, während Bale sich breit versucht frei zu laufen. Asensio suchte immer wieder Ballkontakte, in dem er sich fallen ließ und die Schwäche von Messis Ausrichtung nutzte. Hinter die Mittefeldlinie kam man so aber zu selten. Der Weg durch das Zentrum, wäre mit einem anderen Spielfokus durchaus eine Option gewesen (blaue Pfeile). Das ist aber nicht der Fußball, den Zidane spielen lässt.

Direktspiel auf die Außen, kein Fokus auf das Zentrum

Das sah man auch bei jenen Szenen, in denen man direkt versuchte alle Spieltrakte zu überspielen. Bale steht hier ausnahmsweise mal tief und versucht gar nicht seine Nebenmänner um ihn herum mit Kombinationen zu bespielen, sondern sucht den direkten Weg auf Marcelo. Beide Außenverteidiger der Blancos finden hier Platz vor. Bei Barcelona sah man die Schwächen von „MSN“ ein weiteres Mal. Keiner der drei Spieler arbeitet mit nach hinten und so ensteht bei den Katalanen eine 7/3 Staffelung. Bei Real Madrid arbeitet Bale zumindest nach hinten und erzeugte eine 8/2 Staffelung.

Schön zu sehen ist ebenfalls die Mutation von Benzema zum Strafraumstürmer. Anstatt sich hier zu versuchen kurz anzubieten, in irgendeiner Form am Spiel teilzunehmen oder Bale eine Option zu geben, spaziert er an der Abwehrkette entlang. Er weiß, dass das Spiel unter Zidane wieder auf die Außen gehen wird und er dann als Speerspitze im 16er eingesetzt wird. Ein Entfernen von seiner Position würde den Strafraum verweisen lassen und den Seitenwechsel von Bale ad absurdum führen. Ob diese Rolle ohne Ballkontakte für Benzema wirklich optimal ist? Auch in diesem Spiel war er bis auf 1-2 Aktionen nahezu unsichtbar und isoliert.

Zentrale Angriffe beleben die Techniker und zeigen Schwächen Barcas

Ganz anders sah das direkt aus, wenn der Ball mal flach, schnell und zentral gespielt wurde. Bei dieser Umschaltaktion der Blancos hat jeder direkt seinen Job verstanden. Asensio führt den Ball eng am Fuß solange er kann und sieht Benzema in seiner Paraderolle zwischen den Linien. Er kann kurz bespielt werden und es kann mit ihm kombiniert werden. Bale übernimmt die Abwehrkette und zwingt diese tief zu gehen, da er steil ins Loch sprintet – eine seiner größten Stärken. Es ergäben sich durch Barcas defensive Schwäche aber noch andere Rollen. Das Mittefeldtrio von Barca ist völlig zersprengt. Neymar auf der linken Seite rennt zwar mit nach hinten, kann bei der Szene aber nur zusehen.

Auf der rechten Abwehrseite von Barca herrscht Isolation. Aleix Vidal muss sich hier zwischen zwei Laufwegen entscheiden. Er muss die Kette halten und die Lücke von 15 Metern zu Pique schließen, da Benzema dieses Loch bereits riechen kann. In seinem Rücken macht sich aber auch Marcelo bereits an die Grundlinie auf und hat meilenweit Platz. Messi, der hier sehr zentral agierte, fehlt nun natürlich nominell auf der rechten Seite von Barcelona. Es ist das gleiche Dilemma, das Real Madrid mit Cristiano Ronaldo vorfindet. In der Offensive ist er eine Waffe, defensiv aber muss Barcelona diese Spieler tragen. Mit einem Traumpass von Asensio oder einem eingespielten Ablauf beim Konter durchs Zentrum könnte man Barca hier weh tun.

Jesús Vallejo sammelt Erfahrung

Eine entscheidende Szene für die Niederlage war dieser Freistoß, den Pique aus 7 Metern ins Tor drückt. Jesus Vallejo sammelte bei der Szene ordentlich Erfahrung und muss sich hier natürlich viel besser anstellen. Umtiti drängt ihn hier bewusst kurz vor der Ausführung 2-3 Meter in Richtung Tor, um den Spielern in der Mitte mehr Platz zu erzeugen. Das verschiebt die Abseitsnaht und Pique steht dadurch nicht im Abseits und kann den Vorsprung nutzen, um den Ball einzunetzen. Der junge Spanier wird in seiner ersten Saison bei den Blancos erstmal auf den hohen Level kommen müssen, hat aber unglaublich viel Potenzial, besonders mit Ball am Fuß im Aufbau.

Isco und Wechsel bringen Schwung aber keine Wende

In der zweiten Halbzeit hatte man bis zu den Massenwechseln noch eine zweite Ausrichtung getestet. War Asensio bisher der Ersatzmann für Ronaldo auf der linken Seite, durfte dann auch Bale dort sein Glück versuchen. Bis auf einen Lauf an die Grundlinie, gelang dort aber kaum was. Rechts war mit Vázquez der solide Läufer drin und Modric wurde von Isco im Zentrum ersetzt. Auch hier war es interessant zu sehen, dass Isco nicht als LA statt Asensio aufgewartet wurde und auch nicht als RA versucht wurde. Es scheint, als sieht ihn Zidane tatsächlich als zentrale Lösung. Das erzeugt natürlich ein Überangebot im zentralen Mittelfeld. Insgesamt war die Intensität defensiv aber zu gering, um aus dem Spiel wirklich viele Erkenntnisse für die Zukunft mitzunehmen.

Das fiel noch auf:

  • Mateo Kovacic spielte herausragend und konnte häufig für Entlastung sorgen
  • Sergio Ramos war noch überhaupt nicht fit und spielte fehlerbehaftet
  • Keylor Navas konnte bei keinem Gegentor eingreifen
  • Defensiv war die Intensität sehr niedrig
  • Offensiv waren Bale und Benzema zu oft isoliert

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La Duodecima SR4
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Ich bin neu hier auf der Seite und wollte euch einen Kompliment geben. Allgemein was ich bis jetzt gelesen habe war sehr gut analysiert und kaum (bzw. habe keine gesehen) Tratsch-Beiträge.

Auch der obengeschriebene Artikel war sehr gut durchdacht und analysiert. Man kann echt was lernen.

Das ist ein Beispiel für die moisten Fussballzeitungen.

La Saeta Rubia
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Danke für die Mühe. Zeigt nochmals deutlich unsere Schwächen. Mal schauen ob sich demnächst was ändert.

portero
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Klasse Arbeit, wie immer Patrick.

Meinen Respekt, dass du dir dieses Spiel tatsächlich gegeben hast. In meinen Augen, war keiner unserer Auftritte es wert, sachlich analysiert zu werden.