Die Saison 2017/18 hat durch den ersten rollenden Ball im Vorbereitungsspiel gegen Manchester United endlich auch sportlich ihren Anfang gefunden. Erst im Elfmeterschießen musste man sich den Red Devils geschlagen geben. Dabei sah man beiden Teams an, dass man sich aktuell noch in der Vorbereitung befindet. Gewisse Dinge wurden von den Trainern bewusst fokussiert, Experimente durchgeführt und junge Spieler ins kalte Wasser geworfen.

Aus königlicher Sicht kann wohl vor allem die erste Halbzeit als Gradmesser bezeichnet werden. Hier ging Zizou mit einer Aufstellung ins Spiel, die zumindest personell so auch die Startelf in der kommenden Saison sein könnte. In der zweiten Hälfte schickte er bis auf Casemiro, Kovacic und Casilla ein reines „Jugendteam“ aufs Feld, sodass hierbei kaum Schlüsse gezogen werden können. Wir haben daher die größten, taktischen Auffälligkeiten aus der ersten Halbzeit des Spiels unter die Lupe genommen und fragen uns, ob Zizou hier vielleicht schon für den Ernstfall getestet hat.

Real Madrid probiert sich im 4-2-3-1

(C) DAZN.COM
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Viele Fans wünschen es sich seit einiger Zeit in Madrid. Das 4-2-3-1 bekam gegen Manchester United wieder eine Chance von Zidane. Mit Isco bekleidete ein geeigneter Mann die Position des „echten Zehners“ vor dem Duo „Krodric“. Auf der linken Seite agierte Gareth Bale, während Vázquez rechts wohl als Balancespieler im System fungieren sollte. Offensiv sollte Zug gemacht, defensiv die Seiten dicht gehalten werden. Benzema bewegte sich mit Freirolle in der Offensive hin- und her und wollte Überzahlsituationen kreieren.

Probleme im defensiven Aufbauspiel

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Die Umstellungen, die müden Beide vom Training und den Reisen, sowie die fehlende Intensität im Testspiel machten sich natürlich bemerkbar. Ohne Casemiro fehlte außerdem ein „Anspielpartner“, der den Ball kurz weiter trägt. Kroos rutschte nicht ganz auf die Solo-6, suchte aber natürlich die Tiefe für den Aufbau. In der Szene sieht man ihn gestikulieren, da er keine einfache, ideale Aufbaustation vorfindet. Varane ist flach gedeckt und kann nur hoch gut angespielt werden. Das stellt für Kroos zwar kein Problem dar, doch es kommt zu spät jemand im Zentrum entgegen. Mit einem aggressiverem Pressing von United wäre hier durchaus mehr drin gewesen. Kroos ist jedoch noch immer bekannt dafür, trotzdem eine Lösung zu finden. Hier hätte diese jedoch deutlich einfacher ausfallen können.

Probleme im Aufbauspiel im zweiten Drittel

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Die fehlende Abstimmung und Entschlossenheit zog sich weiter in das zweite Drittel. Varane stößt hier hervor und sucht eine Anspielstation. Man erkennt schön die beiden Abwehrketten von United, die sich besonders breit aufstellten und die Abstände zwischen den Linien eigentlich unglaublich groß gestalteten. Obwohl Real Madrid mit 10er und Benzema im Sturm aufläuft, war die Zone nahezu nie wirklich genutzt und wurde gar nicht von den Blancos bespielt.

Man erkennt wie Isco kurz kommt und so Varane einen 4-Meter-Pass anbietet. Lucas Vázquez steht sehr weit vorne, anstatt sich für einen flachen, schnellen, die Linien durchschneidenden Pass à la Xabi Alonso anzubieten. In der markierten Zone des 10er-Raums fehlt Benzema, der sich dort fallend anbieten könnte, um die Linie zu überspielen. In dieser Ausrichtung wird die Kette zur Mauer und der Angriff kann nicht aufgebaut werden.

Aufbauprobleme auch im offensiven Drittel

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Wer noch nicht genug von Aufbauproblemen bei Real Madrid gesehen hat, wird hier befriedigt. Auch im letzten Drittel kam zu wenig von den Blancos. Marcelo steht und beobachtet Isco im Dribbling, anstatt sich auf seine Außenlinie zu konzentrieren und vielleicht sogar im Rückraum zu hinterlaufen (Option weißer Kreis).

Vázquez deutet die andere Aufbauvariante an, in dem er den Raum rechts von sich anzeigt. United steht nicht so tief und kann daher hier sogar mit einem Lochpass bespielt werden. Isco ist natürlich in Bedrängnis und Marcelo kann nach einem Ableger von Isco hier Vázquez nur noch zu spät bespielen. Jedoch zeigt der Spanier, dass er durchaus gewillt wäre hier steil zu gehen, wenn man ihn dort bespielen würde (Option roter Kreis).

Erst kürzlich hat Neymar gegen Juventus in dieser Zone ein schönes Tor erzielt, nachdem er steil in den Raum vom 16er angespielt wurde. Vázquez reißt mit seiner Bewegung eigentlich ein ideales Loch auf, welches durch andere Spieler genutzt werden könnte. Keiner der beiden Stürmer Benzema oder Bale ziehen allerdings in diese Räume. Stattdessen warten sie am langen Pfosten wohl auf eine der berühmt berüchtigten Flanken und schauen passiv dem Spielgeschehen zu.

Positives Zustellen des Aufbauspielers

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Durch die Ausrichtung mit einem 10er war man aber immerhin in der Lage Michael Carrick beim Aufbauen zu stören. Auch bei United kam so überhaupt kein gutes Spiel zustande. Sie hatten zwar mehr Anteile und zogen ein paar Mal von außen ab, doch die B-Elf von Mourinho blieb im Endeffekt genauso harmlos wie die Blancos auf der anderen Seite.

In dieser Szene erkennt man schön auch die Positionswechsel und die fließende Übernahme der Rollen. Vázquez agiert hier in Iscos Position, während er die Rolle von Lucas auf dem Flügel übernahm. Dahinter zogen Modric und Kroos eine Linie auf, die normalerweise von Casemiro erst dahinter gesichert wird. Das Fehlen des Brasilianers erzeugte so eine Lücke, die auch von United nicht bespielt wurde.

Real Madrid versucht defensiv im 4-4-2 zu neutralisieren

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In der eigenen Defensive suchte man dann das Heil in der Masse. Wie die Red Devils zogen auch die Blancos zwei Abwehrketten auf. Bale und Vázquez arbeiteten brav mit nach hinten und stellten immer wieder den linken und rechten Mittelfeldspieler. Isco könnte hier sogar noch für ein 4-5-1 sorgen, war aber meist etwas abseits auf Sparflamme unterwegs.

Insgesamt zeigte das Spiel, dass man in der Ausrichtung mit Casemiro wohl etwas solider im ersten Drittel aufgebaut hätte, aber auch eine Ideenlosigkeit in der Offensive. Diese wurde durch berechenbare Läufe von Bale oder Vázquez nicht besser. Auch die Außenverteidiger Marcelo und Carvajal bewegten sich sehr zurückhaltend und suchten kaum die Grundlinie. Ein typisches Vorbereitungsspiel endete so ohne die große Überraschung. Ob Zidane hierbei wirklich das 4-2-3-1 testen wollte, wirkt angesichts des halbherzigen Ausführens von speziellen Abläufen im Zwischenlinienraum unwahrscheinlich. Sollte es die nächsten Testspiele aber weiterhin auftreten, kann man vielleicht von einem Trend sprechen.

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mOnsta
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