Real Madrids Finanzbericht 2015/16 beweist, was seit längerer Zeit klar ist: Die Königlichen sind einer der finanzstärksten Vereine im Fußball. Besonders wenn es um den Umsatz pro Jahr geht, liegt man aus verschiedenen Gründen immer weit vorne und beanspruchte nicht selten den Spitzenplatz für sich. In der Saison 2015/16 durchbrach der Verein zum ersten Mal die Schallmauer von über 600 Mio. Euro Umsatz in einer Saison. (Die Jahre enden im Fußball nicht am 31.12. sondern immer am 31.06., somit wird von Saison zu Saison gerechnet.)

Umsatzentwicklung seit 1999 im Finanzbericht

Dieser Anstieg seit 1999/2000 bis 2016 entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 11% pro Jahr. Eine unglaubliche Zahl. Immerhin stolze 7,4% oder 42 Mio. Euro konnte man von 14/15 auf 15/16 dazu gewinnen, wie man in dieser schönen Grafik erkennen kann.

Umsatzentwicklung seit 2000

Umsatzverteilung auf die großen Säulen

Interessant an diesen starken Zahlen im Finanzbericht sind auch die Anteile des Umsatzes durch die verschiedenen Aspekte, aus denen ein Fußballverein Geld erwirtschaften kann.

Tortendiagramm der Verteilung des Umsatzes
Marketing – 34%

34% der 620 Mio. Euro Umsatz oder 212,6 Mio. Euro wurden allein durch Marketing erwirtschaftet. Das ist der größte Part des Umsatzes und lässt erahnen, wie wirksam die Kommerzialisierung der Stars bei Real Madrid läuft. Vor rund 16 Jahren war der Anteil mit 26% oder 30,68 Mio. Euro im Jahr bescheidender und nicht der größte Anteil des Umsatzes. Besonders die Sponsoren schlagen hier am meisten ins Gewicht.

TV-Einnahmen – 27%

Mit 27% oder 167,6 Mio. Euro sind die Einnahmen aus dem TV-Bereich ein kleinerer Anteil. Der Verein hatte lange eine starke Abhängigkeit vom sehr gut ausgehandelten MediaPro Deal 2006, der einen Wettbewerbsvorteil darstellte. Mittlerweile versucht man aber die drei großen Säulen des Umsatzes mehr in Balance zu halten.

Stadion und Mitgliedsbeiträge – 25%

So kommt es auch, dass der letzte große Part im Finanzbericht, die Einnahmen aus dem Stadion und den Mitgliedsbeiträgen mit 25% oder 153,9 Mio. Euro nur noch ein Viertel der Einnahmen ausmacht.

Internationale Wettbewerbe und Freundschaftsspiele – 14%

Es ist vielleicht unglaublich, aber 86 Mio. Euro hat Real Madrid in dieser Rubrik eingenommen. Die kräftezehrenden und langen Freundschaftsturniere im Sommer sind eine unglaublich gute Einnahmequelle für den Verein. Die Touren und Werbeauftritte bei diesen großen Events sind für ein Schwergewicht, wie Real Madrid es ist, buchstäblich Gold wert. Mit fast 24 Mio. Euro steigen diese paar Freundschaftsspiele beim Umsatz ein. Der Rest folgt aus starken Auftritten in internationalen Bewerben.

Der Umsatz im Detail

Der Verein gibt entgegen der oberen vereinfachten vier Säulen, auch noch eine detaillierte Aufstellung bekannt. Dabei vermischt sich die Säule Internationale Wettbewerbe und Stadioneinnahmen, da der Verein Ticketeinnahmen und Siegprämien in einen Topf wirft.

UmsatzpostenBetrag [Mio. Euro]
Summe619,710
TV-Einnahmen167,577
Sponsoren und Lizenzen161,537
Champions League (inkl. Tickets)82,122
La Liga Einnahmen (inkl. Tickets)51,718
Mitgliedsbeiträge und Jahreskarten49,980
Andere Einnahmen (Marketing)26,160
Freundschaftsspiele (inkl. Tickets)23,971
Allgemeine Stadioneinnahmen22,390
Real Madrid Stores Verkäufe21,096
Andere Einnahmen (Stadion)5,569
Basketball (Alle Wettbewerbe inkl. Tickets)4,015
Werbeeinnahmen3,571

Die Gehälter als größter Aufwand des Vereins

Und wer ist verantwortlich für diesen hohen Umsatz? Natürlich das Team, das vermarktet, angesehen und verehrt wird. Es ist der Kader der Blancos, der diese Gewinne einspielt, denn nur durch ein gut vermarktbares und erfolgreiches Team, können diese erzielt werden. Ein sehr guter Kader kostet dementsprechend auch gutes Geld, will man am Markt mithalten können. Die Blancos geben seit der „Genesung“ der Finanzen im Jahr 2003 nie mehr als 52% des Umsatzes für die Gehälter des Vereins aus. Aktuell bleibt man sogar laut Finanzbericht unter 50%. Insgesamt kosten alle Gehälter im Verein sowohl sportliche, als auch nicht sportliche, somit 306 Mio. Euro pro Jahr.

Ratio von Gehältern zu Umsatz

Die UEFA sieht im Zuge des Financial Fair Plays vor diesen Wert mindestens unter 70% zu halten. Werte unter 50% werden sogar als „exzellent“ eingestuft. Während andere „neo-reiche Vereine“, diesen Wert einige Male nicht unterschreiten konnten, liegt Real Madrid komfortable 20% unter dem Zielwert und sogar leicht unter der Grenze für exzellente Arbeit in diesem Bereich. Somit ist auch klar, umso höher der Jahresumsatz, umso mehr Gehälter kann Real Madrid in seinen Kader stecken, ohne diese Quote zu überschreiten. Die Umsatzmaximierung ermöglicht also auch weiterhin einen hoch-kompetitiven Kader.

Das EBITDA vor dem Abgang von langfristigen Vermögenswerten

Dieser Bereich im Finanzbericht beschäftigt sich nun mit dem Geld, das übrig bleibt, wenn man die Gehälter und andere operative Kosten vom Umsatz abzieht. Es ist jener Wert, der für Investitionen in Spieler, andere Einrichtungen und finanzielle Verpflichtungen aufgebracht werden kann. Dieser Wert stieg um stolze 28 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Es stellt außerdem den größten EBITDA der Vereinsgeschichte dar.

Das EBITDA vor dem Abgang von langfristigen Vermögenswerten

Dieser Wert wurde auch nicht mehr groß verändert, da es in dieser Saison keine großen Verkäufe aus dem Kader gab. Im Vorjahr hatte man sich noch zum Beispiel von Ángel di María und Álvaro Morata getrennt und so den Wert durch die Ablösen um 68 Mio. Euro auf 203 Mio. Euro anheben können. Im Jahr 2015/16 aber blieb der Wert von 163 Mio. Euro nahezu unverändert.

Investments

Der Verein investierte insgesamt 117 Mio. Euro in zwei große Bereiche. 23 Mio. Euro wurden in die Vereinsanlagen und Ausbauten im digitalen Bereich gesteckt. Der Verein investiert vermehrt in neue IT-Plattformen, auch im Bereich des Stadions um in diesem Bereich „Stat of the Art“ zu sein. 94 Mio. Euro wurden in dieser Periode für die Akquise von neuen Spielern aufgebracht. Dieser Betrag wird auf die Vertragslaufzeit der Spieler linear abgeschrieben.

28 Mio. Euro davon konnte man hingegen durch eigene Spielerverkäufe finanzieren. Der Verein gibt daher, als Netto-Investment in neue Spieler, 66 Mio. Euro an. Mit allen Investitionen der Vorjahre fiel in diesem Jahr somit eine Abschreibung in der Höhe von 123 Mio. Euro an.

Investments

Insgesamt hat Real Madrid seit 2000 fast 241 Mio. Euro in die Anlagen und das Stadion gesteckt, um es auf modernem Niveau zu halten. Zusätzlich wurden in dieser Zeit 197 Mio. Euro in die Hand genommen um die „Ciudad Real Madrid“ (das neue Trainingsgelände) zu bauen. In 2015/16 wurde außerdem mit dem Bau eines neuen Bürogebäudes begonnen, das weiteren Platz schaffen soll.

Die liquiden Mittel (Cash)

In München spricht man gerne vom „Festgeldkonto“ von dem man so einiges bezahlen kann. Natürlich hat jeder Verein gewisse Reserven, mit denen man das Jahr über liquide sein muss. Die rund 211 Mio. Euro stellten die größte Menge an liquiden Mitteln dar, die der Verein jemals zur Verfügung hatte.

Liquide Mittel (Cash) von Real Madrid

Nettoverschuldung

Die berühmte und berüchtigte Verschuldung Real Madrids, beschreiben wir in einem separaten Artikel noch einmal detailliert. Um die Spannung vorwegzunehmen: Es gibt keine Nettoverschuldung mehr.

Real Madrids Nettoverschuldung

Wie man dieser Kurve entnehmen kann, hat man 2009 einiges auf sich genommen, um wieder an die Spitze in Europa zu gelangen. Das diese Ausgaben aber für den Verein absolut stemmbar waren, zeigt der konstante Fall der Nettoverschuldung in den darauf folgenden Jahren. Mittlerweile liegt die Nettoverschuldung bei -13 Mio. Euro und entspricht somit eigentlich „Netto-Liquidität“, da die Summe von liquiden Mitteln und noch ausstehenden Zahlungen aus Transfers größer ist, als jene Summe der noch ausstehenden Bankschulden und ausstehenden Schulden von Transfers.

Kurzum: Man könnte alle ausstehenden Zahlungen tätigen und würde mit 13 Mio. Euro im Plus dastehen.

Diese Situation trat nach zehn Jahren erstmalig wieder ein und stellt eine Belohnung für das Arbeiten der letzten Jahre dar. Auch die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA ist nun – natürlich dem negativen Wert geschuldet – auf 0,0 und zeigt, dass es keine Nettoverschuldung mehr gibt.

Nettoverschuldung im Verhältnis zu EBITDA

Eigenkapital

Ein weiterer wichtiger Wert ist das Eigenkapital. Da Real Madrid keine Aktiengesellschaft ist und weiterhin seinen Socios gehört, wird bei Gewinnen keine Dividende ausgeschüttet und alle Gewinne nach Steuer direkt dem Eigenkapital hinzugefügt.

Was ist Eigenkapital?

Wenn alle Schulden, Verbindlichkeiten und das Fremdkapital abgezogen werden, sind das die Mittel, die dem Verein zur Verfügung stehen.

Entwicklung des Eigenkapitals

So konnte Real Madrid in den letzten 16 Jahren immer einen Gewinn verzeichnen und erhöhte so konstant sein Eigenkapital auf mittlerweile 442 Mio. Euro. Gerade bei der Zahlungsfähigkeit ist das Eigenkapital ein wichtiger Faktor, da es aufzeigt, dass der Klub auf „eigenem Kapital“ aufbaut und nicht auf „fremden Kapital“. Weshalb auch das Verhältnis zwischen Nettoschuld und Eigenkapital als Indikator für die Zahlungsfähigkeit und Autonomie eines Vereins herangezogen werden kann. Der Wert ist auf 0, da Real Madrid keine Nettoschuld mehr aufweist.

Nettoverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital

Gewinn und Verlust

GuV 2015/16

Das Resultat ist ein Jahr, das auf 43 Mio. Euro Gewinn vor Steuer kommt und nach Abzug der Steuer mit rund 30 Mio. Euro Gewinn aufschlägt. Die Zahlen zeigen deutlich auf, dass man Real Madrid im Bereich der wirtschaftlichen Führungsqualität und Finanzpower erstmal diese konstante Leistung nachmachen muss.

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Mauricio
Gast
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Sehr gute Analyse.
Eine Frage habe ich dazu jedoch noch: Welchem Einkommen werden denn die Prämien aus v.a. CL & Pokal zugeordnet?

Mauricio
Gast

Achso, 2 kleine Anmerkungen:
1.“Die UEFA sieht im Zuge des Financial Fair Plays vor diesen Wert mindestens unter 70% zu halten. Werte unter 50% werden sogar als „exzellent“ eingestuft. Während … liegt Real Madrid komfortable 20% unter dem Zielwert …Bereich.“
Korrekter wäre 1-(49/70), also 30%, unter dem Referenzwert der Uefa 🙂

2.Und der Bereich „Investments“ dürfte so nicht stimmen. Die Grafik stellt ja die Abschreibungen des Anlagevermögens dar. D.h. den bilanziellen Wertverlust (=Abschreibung) von Stadion, Ciudad, und v.a. Spielern im Jahr 2015/2016.
Deswegen auch die Peaks:
00/01: Zidane
08/09: Ronaldo, Kaka usw.
13/14: Bale
14/15: James

–> hohe Ablöse–> hohe Abschreibung in den Jahren der 1.Vertragslaufzeit

Mauricio
Gast

Oh, Grafik nicht richtig gelesen und gleich mal für die Abschreibungen gehalten 😀 Vergiss also 2.

Was mich dabei irgendwie verwirrt hat bzw. komisch klingt:
„Der Verein investierte 117 Mio. Euro VON DIESEN 163 Mio. Euro in zwei große Bereiche. 23 Mio. Euro wurden in die Vereinsanlagen und Ausbauten im digitalen Bereich gesteckt. Der Verein investiert vermehrt in neue IT-Plattformen, auch im Bereich des Stadions um in diesem Bereich „Stat of the Art“ zu sein. 94 Mio. Euro wurden in die Akquise von Spielern gesteckt. 28 Mio. Euro von diesen 94 Mio. Euro konnte man durch eigene Spielerverkäufe direkt abfedern. Somit lag das Netto-Investment in neue Spieler bei 66 Mio. Euro.“

Das impliziert, dass 163Mio + Transfereinnahmen zur „freien“ Verfügung für Investments standen.
Allerdings waren etwas 120Mio schon „verplant“, da diese an anderen Spielern etc. abgeschrieben werden.

Die 163Mio+Transfereinnahmen ergeben also nicht die möglichen Investments, sondern die vorherigen Investments in Spieler/Stadion ergeben die Abschreibung/Jahr.

Marcos
Gast

Das mit der Netto-Verschuldung habe ich auch nicht ganz verstanden.
Wäre wirklich sehr nice, wenn das jemand mal näher erläutern könnte.

VizzyViews
Mitglied

Klasse Beitrag!
Was ich nicht ganz verstehe ist das mit der Netto-Verschuldung.
Kann mir das jemand genauer erklären?