Als Fan der Blancos kann man aktuell eigentlich nur den Moment genießen. Zinédine Zidane hat es mit seiner ganz eigenen Art als Trainer tatsächlich geschafft, das Star-Ensemble von Madrid zu einer Einheit zu formen, die sich auch aus den schwierigsten Situationen noch befreien zu vermag. Mit der 33. Meisterschaft konnte man endlich auch wieder in der Liga triumphieren. Das Sahnestück Zizous war aber einmal mehr die Champions League. Nicht nur konnte man durch die Titelverteidigung Geschichte schreiben, sondern mit der Art und Weise auch viele Fans verzücken.

Auch ich muss gestehen, dass dieses Spiel den „Trainer in mir“ schon in gewisser Weise breit grinsen hat lassen. Das lag vor allem an der offensiven taktischen Ausrichtung der Blancos und einer damit verbundenen Einsicht, die mich auf mehr hoffen lässt.

Real Madrid kann nicht nur hohe Bälle

Real Madrids Plan unter Zinédine Zidane war bisher sehr klar. Neben den individuellen Glanzmomenten wollte der Franzose ein Offensiv-Konzept, welches die meist tiefstehenden Gegner konstant überrumpeln kann. Seine Antwort fand er dabei in die Luft. Schon vor der Saison wurde betont, wie stark die Direktabnahme von Bällen aus der Luft trainiert wurden. Und das mit Erfolg. Real Madrid war das kopfballstärkste Team Europas und konnte vor allem über diesen Weg zum Erfolg finden.

Konstanz schwierig zu halten – Teilweise sogar im Bernabéu probleme

Wer jedoch fleißig die Spiele der Königlichen verfolgt hat, der kann sich wohl an sehr viele, sehr hart erarbeitete Punkte erinnern. Nicht immer griff dieses Konzept wie gewollt. Selbst im Bernabéu ging etwas von der Dominanz der letzten Jahre verloren und man gewann oft am Ende dank der stählernen Mentalität oder der nicht weicher erscheinenden Stirn von Sergio Ramos recht knapp. Ich persönlich bin ebenfalls nicht der größte Fan der hohen Bälle, auch wenn die Umsetzung Real Madrids teilweise beeindruckend war.

Doch Zizou scheint schnell dazu zu lernen und das Spiel seines Teams weiterentwickeln zu wollen. Durch seine Erfolge hat er auch die Möglichkeit über mittel- und vielleicht sogar langfristige Entwicklungen des Teams nachzudenken. Ein nächster geplanter Schritt könnte bereits im CL-Finale gegen Juventus Turin gemacht worden sein. Hier hat er klar bewiesen, dass Real Madrid nicht nur hohe Bälle kann.

Zizou überrascht mit fokussiertem Grundlinienspiel

„Wir haben die ganze Woche trainiert, wie man Pässe hinter ihre Abwehr bringt. Sie sind sehr stark in der Luft, fangen praktisch jede Flanke ab, aber bei flachen Pässen haben sie ihre Probleme. Wir haben hart gearbeitet und auf diese Art drei Tore erzielt.“ – Was Luka Modric hier beschreibt, ist das sogenannte „Grundlinienspiel“. Man versucht dabei, über Schnittstellenpässe und Seitenverlagerungen hinter die Abwehr des Gegners an die Grundlinie zu kommen. Von dort aus wird der Ball dann an der Linie Richtung Tor getragen, um mit gezielten Pässen in den Rückraum einen Mitspieler zu finden. Vor allem die letzten beiden Tore sind Musterbeispiele für dies Vorgehensweise:

Ich persönlich bin ein großer Fan dieser Vorgehensweise und sehe diese vor allem in La Liga als ein mehr als geeignetes Mittel, um die tiefstehenden Gegner noch mehr zu fordern. Sollte es Real Madrid gelingen das Spiel in diese Richtung weiterzuentwickeln, so könnten die Königlichen offensiv sehr schwer zu berechnen sein. Eine Kombination aus der bereits etablierten Flankentaktik und eines solch konsequenten Grundlinienspiels könnte die Gegner vor massive Probleme stellen und dabei helfen, die teilweise schwer zu haltende Konstanz in der Liga aufrecht zu erhalten.

Die Zeichen scheinen gut dafür zu stehen, dass der Trainer dieses Mittel in Zukunft tatsächlich integrieren könnte. Im Champions League-Finale hat Zidane Juventus damit wohl auch überrascht und kalt erwischt.  Das darf in Zukunft ebenso gerne anderen Gegnern so ergehen. Bitte mehr davon Zizou!

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