„Ich habe mich weder von Zidane, noch von Perez verabschiedet, weil sie bereits vor mir wussten, dass ich Real Madrid verlasse. Ich wollte einen 2-Jahres Vertrag, die Verhandlungen liefen aber nicht wie gewünscht. Real Madrid bot mir nur einen 1-Jahresvertrag an. Diesen konnte ich leider nicht unterschreiben, weil ich Sicherheit für meine Familie brauchte. Ich hatte wunderbare zehn Jahre in Madrid, leider geht die Geschichte heute zu Ende.“

Mit diesen Worten sorgte der scheidende Veteran Pepe für Aufsehen. Die ungewohnt direkte Kritik an den aktuell so erfolgreich agierenden Verantwortlichen der Königlichen lässt die Meinungen auseinander gehen. Die Situation zwischen der Verteidiger-Legende und des Vereins war eine sehr komplizierte. Trotzdem hätte es wohl nicht zu solch einem Abschluss kommen müssen.

Pepes Standpunkt: Kein Verständnis für gewisse Entscheidungen

Der Portugiese zeigte sich vor allem aus sportlicher Sicht verwundert und enttäuscht: „Ich will niemandem die Schuld geben. Was Zidane mit Real Madrid erreicht hat, war spektakulär. Es gibt aber Sachen, die ich nicht verstanden habe. Wieso bin ich plötzlich aus der Mannschaft verschwunden?“ – Diesen Aussagen nach gab es wenig Transparenz und offene Gespräche bezüglich seiner Situation in Madrid. Deshalb gab es auch Lob für Ex-Trainer Benítez, unter dem es ähnliche Umstände gab:

„Mir hat Rafa Benitez sehr gefallen, er war sehr ernst und professionell. Mit ihm konnte ich mich am meisten identifizieren, auch wenn ich nicht oft gespielt habe.“ – Neben diesen Aussagen habe sich der Spieler auch nicht mehr zu hundert Prozent geschätzt gefühlt. Bei Gerüchten um Steuerhinterziehung habe die Unterstützung seitens des Präsidenten nicht sonderlich groß ausgesehen.

Die Kritik richtet sich also auf die so erfolgreiche Ära von Zinédine Zidane

Vor allem in Sachen Familie ist solch ein Jahr sehr schwierig. Die Kinder des Abwehrhühnen sind in Madrid aufgewachsen und gehen dort zur Schule. Über das ganze Jahr gab es keine Gewissheit, wo man ab September leben würde. Die Forderung nach einem 2-Jahresvertrag ist aus privater Sicht somit vollkommen legitim. Trotzdem muss auch die Vereinsseite betrachtet werden.

El día llego… El 12 de julio de 2007 llegue al Real Madrid con la ilusión de un niño que llegaba donde había soñado todos los días de su infancia. Hoy , 10 años después , me toca despedir y dejar de vestir este escudo. Todos , pero todos los días que vestí está camiseta , lo hice con la ilusión de siempre ! Hoy solo puedo dar las gracias a todos vosotros que me habéis apoyado, que habéis escrito comigo esta bonita historia. Gracias a cada uno de vosotros que me habéis acompañado. Gracias a todos los amigos y compañeros que sé que se quedarán allá donde vaya. Me despido también de esta ciudad, que ha visto nacer y crecer a mis hijas. Me siento muy feliz por lo que he conseguido y llevaré vuestro cariño en el corazón ! Y lo vuelvo a decir …. lo mejor de estos 10 años ??? Entrenar cada día , convivir con todos y cada uno de los empleados de este club … Pisar el Santiago Bernabéu y sentir vuestro apoyo siempre fue mágico! En mi corazón guardo vuestro cariño , y este sentimiento de deber cumplido … El Real Madrid y vuestro cariño siempre harán parte de mi Historia , de mi vida ! Gracias y Hasta Siempre ! Pepe 6 Junio 2017

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Der Standpunkt des Vereins: Sicherung der sportlichen Zukunft hat Vorrang

Aus sportlicher Sicht müsste eigentlich Pepe selbst klar geworden sein, warum der Verein in der vergangenen Saison so gehandelt hat. Aus kurzfristiger Sicht hätte ein Defensiv-Ass wie er wohl definitiv mehr Minuten verdient. Betrachtet man die sportliche Situation langfristig, dann blieb den Verantwortlichen eigentlich keine andere Wahl.

Kapitän und Ikone Sergio Ramos war selbstverständlich unantastbar in Bezug auf einen Stammplatz. Raphael Varane darf wohl als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden, die unbedingt an den Verein gebunden werden muss. Dieser hat eine Stufe in seiner Entwicklung erreicht, in welcher ein Platz hinter Pepe und Ramos wohl nicht mehr für seine Ansprüche gereicht hätten. Mit Nacho Fernández hat Real Madrid einen weiteren Joker in der Hinterhand. Durch seine Vielseitigkeit hat er zur Genüge bewiesen, dass er wohl nicht nur die Qualität für dieses Team, sondern auch einen ungemeinen Wert hat.

Verständliche Entscheidungen aus rein sportlicher sicht

Der Verein hat dies wohl erkannt und wollte auch in Zukunft auf die Vielseitigkeit des Madrilenen bauen können. Für Pepe erschwerend hinzu kommen die rosigen Zukunftsaussichten in der königlichen Innenverteidigung. Mit Jesús Vallejo (Frankfurt-Leihe) und Diego Llorente (Málaga-Leihe) hat man zwei absolute Rohdiamanten in seinen Reihen. Der mittlerweile 34-jährige Pepe hätte durch einen 2-Jahresvertrag eine mögliche Integration solcher Talente verhindert. Trotzdem bleibt eine Frage offen.

Gab es wirklich keinen offenen Umgang mit Pepe?

Die königliche Nummer 3 ist schon lange genug im Fußballgeschäft, um die eigentlich einleuchtenden Argumente des Vereins nachvollziehen zu können. Sein Hauptkritikpunkt scheint also nicht die fehlende Spielzeit, sondern die fehlende Kommunikation zu sein. Natürlich ist es für Außenstehende vollkommen unmöglich, hier die absolute Wahrheit herausfiltern zu können. Schließlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass es kaum Spieler gibt, die den größten Verein der Welt und sein Umfeld wirklich freiwillig verlassen. Eine gewisse Reibung gegen Ende ist somit prinzipiell oft nicht zu vermeiden.

In diesem Fall kommen jedoch einige Fragen auf

Pepe hat in den gesamten zehn Jahren bei Real Madrid so gut wie nie Kritik am Verein ausgeübt und stets seinen Stolz betont, ein Teil dieses Teams und Umfelds zu sein. Selbst bei Rafa Benítez zeigte er sich als degradierter Verteidiger verständnisvoll. Wieso also jetzt auf einmal nicht mehr? Es wirkt also nicht unmöglich, dass es tatsächlich wenig Transparenz und offene Gespräche gab. Kaum vorzustellen bei einem Trainer wie Zidane. Dieser scheint vor allem im Umgang mit den Spielern seine größte Stärke zu haben. Trotz seiner Erfolge muss er aber wohl aus gewissen Fehlern noch lernen. War der Umgang mit Ikone Pepe ein solcher Fehler?

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