Warum sucht man überhaupt einen Sturmpartner für Ronaldo? Sind wir uns mal ehrlich: Cristiano Ronaldo wird in den nächsten Jahren weiterhin gesetzt sein. Jegliche Überlegungen über einen Abgang des Portugiesen kann man – spätestens nach dieser Saison – wieder ad acta legen. Auch Zinedine Zidane wirkt nach dieser Saison fest im Sattel sitzend. In seinem 4-3-3 und 4-4-2 allerdings, ist die große Frage, wer nun Ronaldo am besten begleiten soll. Die Position des Mittelstürmers hat diese Saison wieder viel Diskussionsstoff kreiert und wurde mit zwei sehr unterschiedlichen Typen besetzt. Ich schaue mir heute für euch die beiden Stürmer Álvaro Morata und Karim Benzema etwas genauer an.

Eignung als Sturmpartner für Ronaldo

Grundsätzlich wirken beide Stürmer wie das Ende des Spektrums des anderen. Der Franzose ist ein sehr unterstützender Stürmer, der gerade dann torgefährlich wird, wenn er aus der Tiefe kommen kann oder im Schatten eines anderen Spielers agiert. Morata wirkt durch seine bullige und große Statur eher wie ein klassischer Killer im Strafraum, den man mit vielen Bällen füttern kann. Hat er ein paar Chancen in einer Partie, trifft er in der Regel auch. Bei beiden Spielern ist man sich aber – je nach Ausrichtung – durchaus sicher, dass sie als Stürmer auf dem Feld am besten aufgehoben sind. In der Tat wären sie sogar als Kombination gleichzeitig eine sehr interessante Mischung.

Torgefahr und Abschlussstärke

Nicht selten wird ein Sturmpartner für Ronaldo nahezu ausschließlich an seiner Torgefahr gemessen. Diese Schablone wirkt aber etwas unfair im modernen Fußball, bei dem man in allen Phasen des Spiels mithelfen und mitwirken muss. Die Zeiten, in denen ein Spieler vorne isoliert rumstehen kann und dann einnetzt, sind eigentlich vorbei. In den 90 Minuten muss ein Stürmer viel mehr leisten, als nur zu treffen. Am Ende des Tages gelten aber auch diese Eigenschaften nochmal extra stark. Morata hat bewiesen, dass er in kurzen Spielzeiten sehr oft einnetzen kann.

Torjäger 2016/17

Dafür spielte er allerdings bei vielen Rotationsspielen in den „kleinen“ Partien. Ein Argument, das viele Kritiker nutzen, um seine Torquote zu relativieren. Benzema ist dafür in den großen Spielen immer aufgestellt worden, hat insgesamt aber auch einfach nicht die Torquote/Minute von Morata vorzuweisen. Der Franzose braucht fast die doppelte Zeit für seine Tore. Auch bei den Assists steht er nicht unbedingt weit vor dem Spanier.

Kombinationsspiel und Schnittstellenpässe

Gerade wenn man sich das Zusammenspiel mit den Kollegen, insbesondere Cristiano Ronaldo als wichtigster Sturmpartner, ansieht, trennt sich das Feld ein wenig. Benzema legte in dieser Saison (exklusive Champions League-Finale) ganze 4 Mal als Sturmpartner für Ronaldo auf. Im Gegenzug erhielt er nur 1 Mal einen Assist vom Weltfußballer. Aber auch Morata harmonierte beim letzten Pass das eine oder andere Mal mit Ronaldo. Nur 1 Mal konnte der Spanier ihm ein Tor auflegen, ganze 2 Mal erhielt er den letzten Pass aber von Ronaldo.

Top-Assistgeber FÜR Benzema (>2)

  • 3x Carvajal
  • 2x James
  • 2x Kroos
  • 2x Marcelo
  • [1x Ronaldo]

Top-Assisterhalter VON Benzema (>2)

  • [4x Ronaldo]

Top-Assistgeber FÜR Morata (>2)

  • 4x James
  • 3x Isco
  • [2x Ronaldo]
  • 2x Marcelo
  • 2x Danilo

Top-Assistgeber VON Morata (>2)

  • [1x Ronaldo]
  • Er hat niemandem 2x Assists gegeben

An dieser Auflistung erkennt man weiters schön, dass Ronaldo tatsächlich am meisten von Benzema profitiert. Andere Spieler erhalten kaum die Aufmerksamkeit von Karim wie der Weltfußballer. Auf der anderen Seite genießt Morata es insbesondere mit James oder Isco auf dem Feld zu sein. Die beiden Magier im Zentrum legten ihm gemeinsam 7 Tore auf.

Aber auch die Außenverteidiger werden bei der Flankentaktik von Zizou immer wieder für beide Stürmer zu wichtigen Vorlagengebern. In den engen technisch schwierigen Kombinationen sieht Benzema aber konstant besser aus als Morata, der mit seinem hohen Tempo und anderen Eigenschaften glänzen kann.

Taktische Komponente für Bälle in der Luft

Eine dieser Eigenschaften von Morata ist auch seine Lufthoheit. Gerade bei der Taktik von Zidane, immer wieder mit den hoch stehenden Außenverteidigern gefährliche Flanken ins Zentrum zu schlagen und in einer U-Formation wie im Handball rund um den 16er des Gegners diesen einzuigeln, kann Morata durchaus überzeugen. Er gewinnt 47% seiner Kopfballduelle, während Benzema nur 36% gewinnt. Allein mit seiner Statur von 1,90m hat Morata hier natürlich physische Vorteile.

⚽️😁

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Morata schoss dabei auch gleich 7 Kopfballtore, während Benzema nur auf 3 Kopfballtore kommt. Man erkennt also sehr schön, dass diese Lufthoheit ein großer Faktor im Spiel von Morata ist, der durchaus homogen in die Taktik von Zinedine Zidane hineinpasst. Man spielte ein fantastisches Jahr in der Luft bei den Blancos und stellte einige neue Rekorde mit dieser Spielweise auf. Sowohl durch Standards, als auch durch Flanken, gelangen immer wieder wichtige und entscheidende Tore. Einen Stürmer neben Ronaldo zu haben, der hier ebenfalls den Unterschied ausmachen kann, ist durchaus ein Vorteil.

Integration im Kader

Ein großer Faktor ist jener der Teamchemie. Wie schon in anderen erfolgreichen Saisons, ist der Zusammenhalt sehr wichtig für den Gewinn von Titeln. Die Chemie in der Kabine ist auch ein Aspekt, den man Zinedine Zidane positiv anrechnen lassen kann. Der zweite Anzug bekam mehr Aufmerksamkeit und sorgte so für Entlastung des A-Kaders. Benzema ist in der Stammelf fest verankert. Seit mittlerweile 8 Jahren ist er in Madrid, nachdem er als junger Spieler in die spanische Hauptstadt kam.

Im September 2017 ist der Franzose 30 Jahre alt und gehört nun zu den erfahrenen Spielern im Kader der Blancos. Mit einigen Teamkollegen ist er somit schon viele Jahre im Verein. Marcelo, Ramos, Varane, Ronaldo, Pepe, Nacho und Co. kennen die Nummer 9 schon seit fast einem Jahrzehnt. Privat findet oder hört man aber kaum von Aktivitäten des Franzosen mit seinen Teamkollegen.

Der Ersatzstürmer wiederum ist als Canterano mit seinen 24 Jahren sogar ein Jahr länger in Madrid, als er 2008 von Getafe ins Team stieß. In der Castilla war er von 2010-2013 aktiv und war im Kader mit Spielern wie Nacho oder Carvajal schon einige Jahre zusammen. Gerade in der jungen Spanierfraktion mit Isco oder Asensio gibt es einen stärkeren Zusammenhalt mit Morata – auch abseits des Rasens. Selbst wenn man also die Dienstjahre in Madrid als Stammspieler eindeutig nicht vergleichen kann, da Benzema hier mehr Winter auf dem Buckel hat, ist Morata kein neuer oder fremder Spieler für den Kader – ganz im Gegenteil, er ist ein alter Freund.

Comida de Navidad y vista a los hospitales! @nachofdez90 🎉👍🏻

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Potenzial und Aussicht für die Zukunft

Mit 24 Jahren und einer starken Saison bei den Blancos im Rücken, gilt Morata natürlich als einer der aufstrebenden Stars in Madrid. Nicht zuletzt deswegen suchen andere Vereine seit 1-3 Jahren die Dienste des Spaniers. In den nächsten 6-10 Jahren kann Morata einem Team seinen Stempel aufdrücken, wenn seine Entwicklung weiter positiv verläuft. Benzema auf der anderen Seite zählt, als bald 30-jähriger, nun zu den erfahrenen Recken. Seine besten Jahre erlebt er vielleicht jetzt schon? Früher oder später muss man sich um eine Ablösung Gedanken machen.

Hat man Morata bis dahin schon verloren, müsste man sich anders wo umsehen. In den nächsten 1-2 Jahren könnte man die Klinke also wunderbar von Benzema an Morata übergeben. Denn beide sind tief integriert, harmonieren mit Ronaldo und treffen das Tor. Ob Morata aber noch 1-2 weitere Jahre warten kann, wenn der Fußball sich so rasant entwickelt, steht auf einem anderen Blatt. Ohne einen Abgang von Karim Benzema wird es keinen schlagartigen Wechsel im Stammpersonal geben, auch wenn sich beide als Sturmpartner von Ronaldo bereits bewiesen haben

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