Eine gesamte Saison lang spielte Real Madrid ohne nominellen Backup auf der Linksverteidiger-Position, wodurch Marcelo so gut es ging durchspielen musste und aushilfsweise von Danilo oder Nacho vertreten wurde. Im vergangenen Sommer beschloss man bei Real Madrid dann dieses Problem mit einem alten Bekannten zu lösen. Fabio Coentrão sollte den Vize-Kapitän entlasten und im Idealfall vielleicht sogar wie einst in der Saison 2013/14 ernsthafte Konkurrenz machen. Einen Monat vor Ende der Spielzeit muss man wohl den Schluss ziehen, dass das nicht im Ansatz gelungen ist.

Coentrão kommt auf 209 Minuten und fünf Einsätze

Im gesamten Profikader kann Coentrão ausschließlich den dritten Keeper Rubén Yáñez (24 Minuten bei einem Einsatz) in Sachen Spielminuten überbieten. Ansonsten kommt selbst Mariano als dritter Stürmer bei ähnlichen Minutenzahlen immerhin auf zwölf Partien. Alle anderen Spieler der ersten Mannschaft absolvierten bereits mindestens 1400 Minuten in dieser Saison. Eine ernüchternde Bilanz für einen Spieler, der vor einigen Jahren noch entscheidend am Gewinn von „La Décima“ und der Copa del Rey in derselben Saison beteiligt war.

Nacho (8 Einsätze) und Danilo (4 Einsätze) müssen weiterhin auf links aushelfen.

Im Vergleich zur Vorsaison hat sich damit kaum etwas geändert. Marcelo steht mit 3121 Minuten und 38 Einsätzen nur minimal hinter Cristiano Ronaldo und Toni Kroos und bestreitet praktisch jede Partie, wenn er fit ist. Coentrão hingegen gab erst am 32. Spieltag sein Liga-Startelfdebüt und spielte gegen Sporting Gijón 57 Minuten. Satte 25 andere Spieltage verpasste er hingegen aufgrund von Fitness- und Verletzungsproblemen komplett, zumindest nach offiziellen Aussagen.

Coentrão wehrt sich gegen Fitnessvorwürfe – Zidane besteht weiter darauf

Ende März behauptete der Portugiese in einem Interview, angesprochen auf seine Fitness, dass er schon lange fit wäre: „Sie schreiben viele falsche Sachen. Ich habe mich komplett erholt und kann ohne Probleme trainieren. Ich trainiere jeden Tag und versuche wieder zurückzukommen, noch lebe ich. Ich werde nicht aufgeben“. Nur wenige Tage später konterte Zidane allerdings auf einer Pressekonferenz:

„Im Falle Coentrão kann ich nur sagen, dass er ein Spieler Real Madrids ist und wir weiter mit ihm rechnen. In letzter Zeit hatte er einige körperliche Beschwerden. Aber er hat bereits viele Partien gespielt und die Champions League gewonnen. Das muss man im Kopf behalten. Er hatte eine sehr schwere Verletzung und es ist kompliziert das zu kompensieren, wenn weitere Verletzungen dazu kommen. Es sind keine großen Dinge, aber es hält ihm vom benötigten Niveau ab. Das hat er auch gesagt. Ich hoffe, dass er bis zum Endspurt der Saison wieder ein Teil des Teams sein wird.“ – Zinédine Zidane auf der Pressekonferenz am 2. April

Gut einen halben Monat später war es mit dem Einsatz gegen Gijón dann tatsächlich soweit, dass Zidane den Portugiesen für bereit befand. Inwiefern er in den kommenden „englischen Wochen“ zumindest Teil der zweiten Garde und Marcelo entlasten kann, bleibt vorerst abzuwarten.

Real Madrid wird sich Fragen stellen müssen

In Anbetracht der Umstände werden die Königlichen nicht umher kommen, sich einigen Fragen zu stellen. Ist Coentrão körperlich noch in der Lage ein vollwertiger Profi zu sein? Falls ja, ist er überhaupt noch gut genug? Wäre es verantwortlich wieder mit ihm zu planen? Hätte man nicht schon im Winter reagieren müssen? Das sind nur einige der Fragen, die sich die Königlichen spätestens in diesem Sommer stellen müssen. Der Portugiese selbst bat jedenfalls Ende März noch um eine letzte Chance, ist sich aber auch bewusst, dass er eventuell gehen muss:

„Ich habe einen Vertrag bis Sommer 2019. Es wäre genial, wenn Real Madrid auf mich zählen würde. Wenn nicht, gehe ich meinen Weg. Ich erlebe gerade eine schwierige Phase. Ich wollte in der Saison 2017/18 nochmal richtig angreifen, leider lief es nicht nach Plan. Ich will mindestens 3-4 Jahre noch auf höchstem Niveau spielen. Falls es hier nicht klappt, suche ich mir etwas Neues.“ – Fábio Coentrão im Interview mit „Record“

Nach momentanem Stand scheint es nicht so, als wäre eine weitere Chance – seine Verdienste in allen Ehren – eine verantwortliche Entscheidung. Noch bleibt dem Linksverteidiger der Saisonendspurt, um sich zu empfehlen, allerdings gibt der bisherige Saisonverlauf keinen Anlass dafür, dass es ihm tatsächlich gelingen wird. Aller Voraussicht nach wäre es also für beide Seiten das Beste, wenn man dieses Kapitel endgültig beendet.

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