In unseren Taktikanalysen durchleuchten wir das Spiel und gehen auf die größten Veränderungen in der Partie näher ein. Im Laufe der Saison binden wir zusätzlich einige taktische Vorkommnisse mit ein, die vom Trainer im Laufe seiner Amtszeit immer wieder als Mittel eingesetzt werden. Wir bedanken uns vorab für das Bildmaterial bei DAZN.com. Bei den Kollegen könnt ihr euch alle La Liga Spiele live und in voller Länge mit deutschem Kommentar ansehen.

Real Madrid im hybriden 4-4-2 / 4-3-3

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Die Blancos fingen wie gewohnt in einer Abwandlung des 4-4-2 und 4-3-3 mit Isco und Bale als Balancespieler auf den Flügeln an. Immer wieder wechselten sich vorne die Positionen ab. Es ist wichtiger, dass eine Position besetzt ist, als die Frage, wer diese Position besetzt. Auf der linken Seite war Isco immer wieder mit eingebunden, fand sich selbst aber auch oft im Zentrum wieder. Ronaldo versteckte sich oft in Lücken, während Benzema wieder eine sehr starke omnipräsente Rolle in der Offensive einnahm – er war eigentlich überall zu finden. In der Szene (oben) fehlte lediglich die Positionsbesetzung von Bale im Zentrum als Speerspitze, nachdem sich Benzema auf die linke Seite fallen ließ um Isco und Ronaldo zu unterstützen. Es entstand ein schönes Dreieck für schnelle Kombinationen. Bei Alavés war eine 5er-Kette im Einsatz, die jene Verschiebungen auch so essenziell machte.

Positionswechsel fluide und auch abgestimmt

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Diese Effekte gingen in der ersten Halbzeit soweit, dass auch bei einem Positionstausch jeder wusste, wie er zu reagieren hatte. Danilo tat sich nach der Verletzung von Varane (Carvajal rückte auf die RV Position) links sichtlich schwer. Bale tauschte mehrmals die Position mit Ronaldo und rückte nach links, während Benzema – wie in guten alten Zeiten – aus der Tiefe seinen Weg suchte. Ronaldo war auf der rechten Seite genauso ein Schlitzohr wie links und suchte dort immer den Zug zum Tor. Bale dreht sich in dieser Szene sogar schlau noch einmal um, da er sich bereits auf ein Zuspiel vorbereitet und sehen musste, ob Ronaldo oder Benzema für ein Zuspiel bereit wären. Dabei lag Benzemas Fokus darauf im Rückraum aufzutauchen, während Ronaldo jeweils den langen Pfosten aufsuchen sollte. Es sollte ein Spielzug sein, der noch aufging.

Überladung über die linke Seite ein probates Mittel

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Diese Positionsrochaden in der Offensive funktionierten besonders mit den spielintelligenten Karim Benzema und Isco sehr gut. Benzema war nicht nur tiefliegend beschäftigt, sondern rückte gerade mit Danilo auf links, immer wieder auf die linke Seite. Isco war sichtlich nicht auf einer Höhe mit Kroos und Modric angesiedelt, wie es eine 4-3-3 Ausrichtung am Reißbrette suggerieren könnte. Er zog immer wieder ins Zentrum und versuchte im Zwischenlinienraum, als Nadelspieler für eine schnelle Annahme und Weiterverarbeitung parat zu stehen. Ronaldo war hier im Zentrum in einer Beobachterrolle, wie sich dieser Angriff weiter entwickelt und rückte für Benzema auf die Mittelstürmerposition. Die Gäste hatten immer wieder Probleme, ihre direkten Gegenspieler auszumachen und versuchten im Raum mit der Spielermasse die Chancen zu verhindern.

Tor fällt durch ein starkes Flügelspiel und einen tiefen Benzema

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Es war daher auch kein Zufall, dass diese Zuordnung bei der trainierten Version des Grundlinienspiels dann einschlug. Benzema stand wieder tief vor dem Sechszehner mit dem Gesicht zum Tor, wo er am stärksten aufspielt. Auch wenn er davor im Abseits stand und der Treffer daher nicht regulär war, setzt er hier einen sehr starken Carvajal-Lauf wie ein Spielmacher perfekt in Szene. Der Spanier sticht ins Loch an die Grundlinie und hat dort – wie geplant – zwei Möglichkeiten: Ronaldo am langen Pfosten oder Benzema im Rückraum. Der Franzose netzt mit Entschlossenheit am Ende ein und bestätigt die Marschrichtung des Nachmittags. Anstatt sinnlosen Halbfeldflanken auf drei Innenverteidiger im Zentrum, spieltem man sich hinter die Abwehrkette und stach eiskalt zu.

Durchhänger und die große Betonmaschine von Zizou

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Nach dem 1:0 und dem gut gelegten Plan in der ersten Halbzeit, hatte Real Madrid in der zweiten Halbzeit den fast schon traditionellen Durchhänger. Die Hausherren zogen sich weiter zurück, Alavés machte immer mehr Druck und baute sich selbst ein Momentum für einen möglichen Ausgleich auf. Die Blancos standen teilweise enorm tief. Bale verteidigt hier auf der eigenen Strafraumgrenze. Mit Kroos, Isco und Modric ist das gesamte Mittelfeld nahe am 16er. Die Blancos verteidigen aus dem Spiel heraus kompakt und eng. Die Lücke zu Benzema und Ronaldo im Sturm wurde aber auch immer größer. Besonders über die Flügel spielte sich Alavés fast in einen Rausch und dominierte 15-30 Minuten der zweiten Halbzeit mit der forschen mutigen Art, die man von Beginn an erwartet hatte.

Druck über die Außen und Läufe auf die Abwehrkette nahmen zu

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Besonders über die anfällige linke Abwehrseite der Blancos, die für jeden Gegner als Schwachstelle angepeilt wird, versuchten die Gäste Druck zu machen. In die Tiefe über außen versuchte man schnell die Viererkette im Mittelfeld der Blancos zu überbrücken. Auch die Löcher zwischen Angriff und Mittelfeld wollte man bespielen. In der Offensive, war die gesamte Viererkette unter Druck und hatte einen Gegenspieler. Man wollte in viele 1-gegen-1 Duelle kommen und so individuellen Druck ausüben. Es gelang sehr gut. Die Blancos wurden sichtlich nervöser.

Zidane greift ein und stärkt sein 4-4-2

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Am Ende agierte Zidane zwei Mal mit defensiven Wechseln in Form von Vázquez und Kovacic, um die Null zu halten. In der 65. Minute war für Modric Schluss. Kovacic sollte für Dynamik und Umschaltmomente sorgen. Der Einfluss verpuffte aber schnell, da Alavés viel Druck machte und die defensiven Aufgaben überwogen. Gerade Außen war man bei den Gästen brandgefährlich. Der Fokus von Isco und Bale war nun klar in der Defensive angesiedelt. Man sollte Doppeln, um Angriffe zu unterbinden. Dadurch entstand aber auch ein Loch vor dem Mittelfeld, das eine Entlastung erschwerte.

Letzter Schachzug von Zidane bringt das Spiel nachhause

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Im 4-5-1 beendeten die Blancos die Partie und sorgten so für die maximale Kompaktheit. Bale rückte durch die Einwechslung von Vázquez auf den linken Flügel. Der Spanier machte vor Carvajal dicht und Isco konnte hinter Ronaldo die Bindung zum Sturm erzeugen und das Loch vor Kovacic und Kroos stopfen. Alavés wurde in Schach gehalten und selbst gelang man gerade über Ronaldo und Isco zum entscheidenden Konter und dem 2:0. Die Partie war gewonnen – spät, aber doch. Real Madrid passte sich dem Gegner in jedem Zeitpunkt an. Man wird in Zukunft aber überlegen müssen, wie man den Zugriff auf das Spiel über 90 Minuten aufrechterhalten kann, ohne sich auf rein defensive Wechsel zu beschränken. Den 3 Punkten wird es am Ende egal sein, wie sie geholt wurden. Den Fans vielleicht nicht.

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