Viele staunten mit großen Augen, als ein Blick zur Anzeigetafel des vierten Offiziellen glitt. Ja, tatsächlich. Es war Cristiano Ronaldo, der den mühsamen Gang zur Seitenauslinie antrat. Es war der amtierenden Europameister, Weltfußballer und die Sportikone von über 100 Millionen Fans rund um die Welt, der den Rasen verlassen musste. Ein Unding in einem so wichtigen Spiel gegen Athletic Bilbao – auswärts auf einem „verfluchten“ Rasen im fast schon geheiligten San Mamés, oder doch nicht?

Zidane zeigt taktische Raffinesse und beweist Kritikern einiges

Der Franzose wird nicht sehr stark für seine taktischen Eigenschaften gefeiert. Viel mehr noch: Er wird dafür kritisiert. Während Trainer oft als Taktik-Koryphäen verehrt werden, steht Zinedine Zidane bei den Fans eher als moralischer und spiritueller Motivator ganz oben. Der richtige Mann am richtigen Ort, heißt es oftmals in den Fanlagern. Mit der Auswechselung von Luka Modric und anschließend Cristiano Ronaldo zeigte der junge Coach groß auf, dass er keine Angst vor kritischen Entscheidungen in kritischen Momenten hat. Zwar führte man mit 1:0, als Luka Modric das Feld verließ, doch der Trainer wusste um die Wichtigkeit seiner Auswechselung.

Anmerkung: Den Wechsel haben wir in unserer Taktikanalyse und der Trainerleistung bereits intensiv durchleuchtet.

Während Luka Modric seine Auswechslung mit einem verwunderten Blick quittierte, der wohl rund um den Globus die Gesichter der Fans wiederspiegelte, war Ronaldos Auswechselung etwas umstrittener. Der Weltfußballer ist es nicht gewöhnt, das Feld verlassen zu müssen, wenn er keine Verletzung hat. Der Ehrgeiz, dem Team zu helfen, wirkt beim Portugiesen schier unendlich. Immer wieder versuchten Kameras und andere Akteure abseits des Rasens daraus eine große Sache zu machen. Doch ist es wirklich eine große Sache, wenn ein Offensivspieler ausgewechselt wird, um ein Spiel zu gewinnen?

Der Chef ist immer noch der Chef – in diesem Fall ein Galactico

Zidane selbst kennt den Status, der teuerste Fußballer der Welt zu sein, wie aus seiner Westentasche. Immerhin war er viele Jahre der teuerste Spieler, der mit der legendären 5 auf dem Rücken im Bernabéu die Fans zum Frohlocken und Zungeschnalzen brachte. Mit seiner Magie am Fuß und den entscheidenden Szenen seiner Karriere hat er sich auf dem Grün seinen Status als respektable Person erarbeitet und verdient. Die Aura des unantastbaren, ja fast schon unfehlbaren, ziert ihn auch heute noch im Anzug an der Seitenlinie.

„Durch die Einwechslung von Lucas Vazquez konnten wir auf ein 4-4-2 wechseln und als gesamtes Team verteidigen. Das hatte aber nicht zu bedeuten, dass wir uns hinten reinstellen und auf den Gegner warten. Und dadurch, dass die Außen mehr in die Mitte rückten, konnten wir besser verteidigen. Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale haben sehr viel gegeben. Genau deswegen wechselte ich Isco und Álvaro Morata ein.“ – Zidane auf der PK nach der Partie über die Wechsel

Seine Spieler respektieren und verehren ihn auch aus diesem Grund besonders stark, da die aktuelle Generation von Spielern den Super-Galactico als Kinder noch zugejubelt hat. Was gibt es da schöneres als nun mit Zinedine Zidane höchstpersönlich zu arbeiten? Vor ein paar Jahren war es aber noch undenkbar, dass ein Superstar wie Ronaldo in so einer „Crunchtime“ (wichtigen Phase), vom Rasen geht. Es ist Zidane, der diese Entscheidungen mit einer Selbstverständlichkeit zu vollbringen vermag, wie kaum ein Vorgänger vor ihm.

Entscheidungen, die nur ein Zidane machen kann?

Die Tatsache, das die taktischen Auswechselungen am Ende auch noch fruchteten und die drei Punkte damit eingetütet werden konnten, setzen ihr Übriges zu der Vorstellung von Zidane hinzu. Kaum auszudenken was los gewesen wäre, hätte man das Spiel am Ende noch verloren – ohne Modric und Ronaldo. Es sind jene Entscheidungen des Trainers, zum Wohle des Teams, die den Unterschied ausmachen und dem ganzen Team auch für zukünftige Spieler zeigen, wer der Chef im Ring ist – er hört auf den Namen Zizou. Ein Mann, der selbst in einem WM-Finale nicht davor zurückschreckt, seine Entscheidungen durchzuziehen – selbst wenn sie unpopulär zu sein scheinen.

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