In unseren Taktikanalysen durchleuchten wir das Spiel und gehen auf die größten Veränderungen in der Partie näher ein. Im Laufe der Saison binden wir zusätzlich einige taktische Vorkommnisse mit ein, die vom Trainer im Laufe seiner Amtszeit immer wieder als Mittel eingesetzt werden. Wir bedanken uns vorab für das Bildmaterial bei DAZN.com. Bei den Kollegen könnt ihr euch alle La Liga-Spiele live und in voller Länge mit deutschem Kommentar ansehen.

Real Madrid fängt kompakt an und weiß, was auf sie wartet

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Gerade im San Mames war von Beginn weg klar, dass die Basken mit 120% Vollgas geben werden. Die Blancos standen tief und ließen die Gastgeber kommen. Dabei rückte besonders Casemiro immer wieder in den 16er ein und gesellte sich in den tödlichen Raum zu seinen Innenverteidigern. Auch Kroos und Modric waren sichtlich bemüht kompakt zu stehen und für zweite Bälle aus dem 16er bereit zu sein. Die Basken haben naturgemäß ein starkes Flügelspiel. Abschlussspieler für die Flanken sollte der fast schon „cheatend“ gute Aduriz sein, der vielleicht der beste Kopfballspieler in La Liga ist.

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Auch in den Kontern war das Mittelfeld immer wieder stark und schnell bei der Sache. Der Fokus des Abends wurde in den ersten 15 Minuten sehr klar dargestellt. Während weder Bale, Ronaldo noch Benzema im Bild zu sehen waren, sind Kroos, Casemiro und Modric kompakt schnell in der defensive präsent. Viele Gefahrenherde waren so gut abgesichert. Lediglich am langen Pfosten könnte Marcelo mit einer guten Flanke Probleme bekommen.

Bale weit außen, Kroos halblinks sehr offensiv

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In der Offensive war man mit Nadelstichen im Raum der Basken immer brandgefährlich und konnte über die Außen stets für Gefahr sorgen. Bale spielte sehr nah an der Seitenlinie und wollte so die Kette auseinander ziehen. Kroos wiederum spielte die gesamte Partie eine hybride Rolle auf der halblinken Seite, presste viel nach vorne und war auch sonst im Konstrukt weit links anzusiedeln. Man erkennt gut die doppelte 4er-Kette der Basken und die weiträumigen Abstände von Kroos zum Rest seiner Kollegen. Diese Situation sollte zu einem Schlüsselmoment in der Partie folgen. Dazu aber später mehr.

Bilbao spielt mit dem Feuer und verbrennt sich

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Ernesto Valverde ließ seine Truppe sehr hoch spielen, versuchte das Mittelfeld kompakt zu halten und zu pressen. Die Blancos entzogen sich diesem Pressing in der Regel über lange Bälle, die aufgrund der hohen Stellung der Viererkette sehr gut funktionierten. Ein hoher Ball von Casemiro fand hier Ronaldo, der wie ein Schlitzohr ideal den Raum erkennt und losstartet. Am Ende findet Ronaldo den freistehenden Benzema in der Mitte und ein wunderbares Tor bringt die Führung für die Blancos. Eine klare Bestätigung der von Zidane gewählten Taktik. Der hohe Ball in diesem Spiel war zwar nicht ästhetisch, jedoch gnadenlos effektiv. In der Folge zog sich Madrid stark zurück und brachte das 1:0 mit einem 4-5-1 in die Pause. Auch Ronaldo half, wo es ging hinten mit.

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Die Basken adaptieren in der Pause – Zidane ist gefordert

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Die Weiträumigkeit von Kroos wurde von Valverde schnell erkannt und die Achillesferse der Blancos mit Kroos und Marcelo in der Defensive bewusst mehr durch Williams bespielt. Die Folge war ein Toni Kroos, der immer weiter von seiner Position gezogen wurde und so in Szenen kam, die nicht seinen Stärken entsprachen. Kurz vor dem 1:1 wechselte daher Zidane Luka Modric aus und brachte für viele überraschend Lucas Vázquez. Bei genauerer Betrachtung erkennt man aber sofort den Plan des Franzosen, die linke Seite zu stärken.

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Mit der neuen klaren 4-4-2 Staffelung mit Bale links und Vázquez rechts sind nun die außen stabiler besetzt. Zidane stärkt somit die Fähigkeit defensiv zu doppeln und wollte damit dem Verhalten der Gastgeber entgegensteuern. Direkt nach der Umstellung fiel allerdings durch eine starke Einzelleistung das 1:1. Der Plan ging insgesamt dennoch auf.

Isco sollte das Spiel endgültig kompakt machen

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Mit den Außen stabilisiert und dem zweiten Tor für die Blancos in Form von Casemiro, war der Weg klar: Diese Führung muss nun behauptet werden. Der zweite Wechsel von Zidane sorgte für noch größeres Raunen. Ronaldo musste den Platz frühzeitig für Isco verlassen. Zidane zeigt damit, welch enormen Einfluss er nehmen kann und dass selbst Cristiano Ronaldo von seinen taktischen Entscheidungen nicht ausgeschlossen wird. Der Portugiese war zwar brav in seiner Arbeit, jedoch nicht so defensiv orientiert, wie es anschließend mit Isco möglich war. In einer Form von 4-5-1 verteidigte man noch kompakter und konnte die Flügel breiter sichern, ohne im Zentrum zu verlieren.

Zidane bringt damit ein unglaublich wichtiges Auswärtsspiel auch taktisch über die Runden und sorgt so mit 3 Punkten für einen Paukenschlag im Kampf um die Meisterschaft. Unsere Traineranalyse findest du hier: Zidane mit taktischem Highlight-Spiel im San Mamés.

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